Die Heinhauser Mühle war eine Stampf- und Steinmühle, die Steinsplitt hergestellt hat. Die Jahreszahl über dem Eingang (1864) nennt nicht das Jahr ihrer Erbauung; es gab sie schon seit kurz vor 1850. Um 1900 wurde das Gebäude zur Kantine für Steinbrucharbeiter, und seit 1935 ist es ein reines Wohnhaus.

Heinhauser Mühle. Foto (2010): von mir.

Der Hof Heinhausen, jahrhundertelang ein reiner Landwirtschaftsbetrieb, startete früh ins Industriezeitalter. 1846 erweiterte er seine schon vorhandene Branntweinbrennerei um eine Bierbrauerei (s. hier, LINK) und beantragte außerdem, eine Mühle bauen zu dürfen. Weil für den Betrieb der Mühle aber Wasser der Düssel gestaut werden musste, gingen sofort Einsprüche bei der Behörde ein. Befürchtet wurde, dass die Hochwassergefahr im Dorf größer werden und der Grundwasserspiegel ansteigen und dadurch Wasser in die Keller gelangen könnte. Auch würde der schnelle Ablauf des Unflats in der Düssel durch die Stauung behindert, sodass das Düsselwasser für den Gebrauch im Haushalt ungenießbar sein würde, aber darauf sei man angewiesen, weil es keine Brunnen gebe. Als diese Einsprüche abgewiesen wurden, bestritt man dem Hof Heinhausen grundsätzlich das Recht auf Wasserstauung. Und in der Tat konnte der Hof kein solches Recht („Wassergerechtsame“) nachweisen. Aber seit Menschengedenken war die Bewässerung der Wiesen des Hofes durch ein Wehr erfolgt. Und obwohl am Hauptbalken dieses Wehrs die Jahreszahl 1744 stand, musste erst noch durch Zeugenvernehmung eindeutig festgestellt werden, dass Heinhausen das Wehr in den vergangenen 30 Jahren ungehindert benutzt hatte, um seine Wiesen zu wässern. Die schon 1847 erteilte Konzession zum Bau der Mühle lag dadurch zunächst „auf Eis“; erst im September 1849 wurde sie endgültig bestätigt, allerdings mit Bedingungen: Es musste eine Freischleuse am Wehr mit einer Breite von 16 Fuß (ca. 4,80 m) und ein ausreichend breiter Abflussgraben angelegt werden. Und zur Kontrolle der genehmigten Stauhöhe musste an der Brücke im Dorf ein übereinstimmender Pegel gesetzt werden. Überschritt der Wasserstand die genehmigte Pegelhöhe, musste das Wehr sofort in voller Breite geöffnet werden.

Heinhauser Mühle. Foto (2009): von mir.

Nach dem Übergang vom Vater auf den Sohn 1864 (Jahreszahl über dem Eingang), war die Steinmühle noch bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb und produzierte wohl überwiegend Steinsplitt für den Straßenbau, aber bereits um 1900 wurde das Gebäude als Kantine für die Arbeiter des etwas düsselabwärts liegenden — damals aktiven — Kalksteinbruchs Heinhauser Löh verwendet, bevor es 1935 zum reinen Wohnhaus wurde.

Lothar Weller, Stand 24.11.2022 – Titelfoto (Blick über Edelhoffs Teich auf die Heinhauser Mühle, vermutlich um 1900): Archiv Breidbach, Bild U48.


Die meisten Angaben in diesem Beitrag stammen aus: Fritz Breidbach, Gruiten …, Gruiten 1970, S. 61 f., mit Bezug auf Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (jetzt Landesarchiv NRW), Regierung Düsseldorf, Nr. 2071.

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