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Gruitener Geschichte(n)

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Schlössershütte – ein Hof am Rande des Abgrunds

Dass sich dieser Hof im kollektiven Gruitener Gedächtnis erhalten hat, verdankt er wohl vor allem der Familie Körsgen, die ihn bis vor knapp 100 Jahren bewirtschaftet hat, bevor sie 1926 auf den alten Hof Thunis auf Mettmanner Gebiet zog, denn sie blieb Gruiten noch viele Jahre eng verbunden. Der Familie Körsgen verdanken wir auch das Foto von der Schlössershütte oben, die schon lange nicht mehr besteht.

Seit wann die Schlössershütte bestand und woher ihr Name stammt, wissen wir nicht. Der früheste bekannte Nachweis des Hofes befindet sich in einer Karte von 1715; dort heißt er schlicht „Hütten“ (Abb. unten).

Repro: Ausschnitt der Karte der Herrschaft Schöller von Ploennies, 1715, mit Markierung: von mir.

In einer Karte aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wird der Hof als a.d. Hutte bezeichnet (Abb. unten).

Repro (Ausschnitt der Tranchot-Karte 1801-28, TIM-online) mit Markierung: von mir. Die Bezeichnung „a.d. Hütte“ steht auch in der Karte von Müffling 1824/25.

Im Urkataster von 1830/31-69 (Abb. unten) und in der Preußischen Landesaufnahme von 1843 finden wir dann die Bezeichnung Schlössershäuschen.

Repro (Ausschnitt des Urkatasters 1830/31-69) mit Markierung: von mir.

Im Schornsteinfegerbuch1 von ca. 1840-53 heißt das Haus Schlößerhütte (bewohnt von Adolpf Klerg) und in der Königlich Preußischen Landesaufnahme von 1894 Schlössershütte. Die Volkszählung von 1895 weist für den Hof 1 Haus und 6 Personen aus.2

Schlössershütte. Foto (undatiert): Archiv Breidbach, Bild w23.

Auf der Karte unten sieht man, dass Anfang des 20. Jahrhunderts die Kalksteinbrüche 7 und 8 schon vorhanden, aber noch nicht „zusammengewachsen“ sind. Noch liegt die Schlössershütte ein ganzes Stück vom Abbaugebiet entfernt.

Repro (Karte aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts) mit Markierungen: von mir. Der Pfeil zeigt auf die Brüche 7 und 8, die noch nicht weit ausgebaut sind.

1911 verkauft der Landwirt Wilhelm Körsgen den Rheinisch-Westfälischen Kalkwerken (RWK) über 9 Hektar des zur Schlössershütte gehörenden Landes. Die Steinbrüche 7 und 8 können damit erweitert werden.2 1921 ist Wilhelm Körsgen, Landwirt, unter der Adresse Schlössershütte 144a noch enthalten. Aber 1926 gibt die Familie Körsgen die Schlössershütte auf und zieht auf den alten Hof Thunis.3 In den Adressbüchern von 1928/29 und 1931/32 werden unter Schlössershütte 144 als Bewohner die Kalkofenarbeiter Emil Drucks und Jakob Herring aufgeführt. Das spricht dafür, dass die Schlössershütte nach dem Auszug der Familie Körsgen komplett im Besitz der RWK war. 1953 scheint die Schlössershütte noch bestanden zu haben, es gibt sie zwar nicht mehr als Adresse, aber die Nr. 144a erscheint im Adressbuch 1953/54 als Osterholz 144a (Bewohner Wilh. Hofmann, Dreher).

Als der Kalksteinabbau in Gruiten 1966 beendet wurde, reichte die aus den Brüchen 7 und 8 entstandene Grube 7 (wie wir sie heute nennen) bis fast an die Schlössershütte heran, sie lag damit am Rande des Abgrunds, nur wenige Meter von der Südostkante des großen Bruchs entfernt. Spuren von ihr sind rechts des Weges (aus Gruiten-Dorf kommend), der an der Südkante von Grube 7 entlang nach Osten führt, noch zu sehen, aber natürlich von der Vegetation inzwischen überwachsen (Abb. unten).

Foto (2017): Richard Bertocco.

Lothar Weller, Stand: 13.5.2021 – Titelfoto: Archiv „Aule Mettmanner“/Repro: Archiv Kuth.


1 Notabuch des Bezirksschornsteinfegermeisters Peter Wilhelm Cremer von 1840-1853 (Stadtarchiv Mettmann, AA-Mettmann Nr. 391), Abschrift Helga Kuth, 2000, Nr. 63.

2 Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Aktiengesellschaft Rheinisch-Westfälische Kalkwerke Dornap, Juli 1912, S. 23 (Helga Kuth: Die Rhein. Westf. Kalkwerke kaufen 9 ha, 21 a, 73 qm Land von Landwirt Wilhelm Körsgen, dem das Gütchen Schlössershütte gehört. Der Bruch VII kann erweitert werden). In einem Artikel der Rheinischen Post vom 24.8.1996 über Heinrich Körsgen (Artikel Scharfer Blick und Gespür für das Motiv) steht, dass der Hof Schlössershütte (hier als Gut Schlössers Hof bezeichnet) 1912 von seinem Vater an die Kalkwerke verkauft wurde.

3 Rheinische Post, 1.11.2000 (Helga Kuth: Die Familie Körsgen zieht vom Bauernhof Schlosserhütte mit zwölf Fuhrwerken (mit Inventar, Erntemaschinen, Tieren) zum Hof Thunis.) – Der Artikel in der Rheinische Post vom 24.8.1996 (Anm. 2) nennt auch 1926 als Jahr des Umzugs auf den Hof Thunis.

Update 2 zu „Lämmchen“

Im Archiv Breidbach habe ich das in der Zeitung von 1955 abgebildete Foto in viel besserer Qualität gefunden; außerdem noch zwei weitere Fotos des „alten Lämmchens“, wovon eines wohl einige Zeit vor 1955 aufgenommen worden sein muss, denn das Haus unterscheidet sich darauf deutlich von dem auf den 1955er Fotos (Abb. oben). Das Zeitungsfoto habe ich ausgetauscht und drei (davon zwei alte) Fotos hinzugefügt.

LINK zum geänderten/erweiterten Beitrag.

Lothar Weller, 9.5.2021 – Titelfoto: Archiv Breidbach

Mit 13 Jahren Chorleiter und Organist: Wo gibt’s denn sowas? In Gruiten!

Manchmal sind die Wege, an deren Ende neue Informationen bei mir ankommen, wundersam verschlungen. Ein freier Journalist aus Monheim hat den Artikel von mir über die 500 Jahre alte St. Nikolaus-Glocke im „Zweitakter“ gelesen und meldet sich bei mir, weil er darüber auch in der Kirchenzeitung Köln schreiben möchte. Ich habe natürlich nichts dagegen, und so ist der Artikel inzwischen auch erschienen. Daraufhin meldet sich der Chordirektor der Domkantorei & Kölner Domkapelle mit Bezug auf diesen Artikel per E-Mail und teilt mir mit, dass sein Vater als ganz junger Mensch im Krieg und der ersten Zeit danach als Organist und Chorleiter in Gruiten tätig war.

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„Lämmchen“ – wo und was ist das?

Lämmchen auf der oben abgebildeten, relativ jungen, erst rund 50 Jahre alten Karte zu finden, ist nicht schwer. Groß und deutlich ist die Bezeichnung eingedruckt; die Markierung von mir wäre gar nicht nötig gewesen. Aber um was handelt es sich? Ist es nur eine Flurbezeichnung oder doch mehr?

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Update: Düsseler Mühle war mindestens 40 Jahre lang eine Papierfabrik!

Die wechselvolle Geschichte der Düsseler Mühle ist reich an Überraschungen. Wir finden bei ihr Nutzungen, die man mit einer Mühle nicht unbedingt in Verbindung bringt. Vor ein paar Tagen konnte ich berichten, dass sich die Vermutung einer Papierfabrik am Standort Düsseler Mühle bestätigt hat. Jetzt kann ich ergänzen, dass sie kein kurzes Intermezzo war. Die weitere Spurensuche hat ergeben: An der Düsseler Mühle wurde mindestens 40 Jahre lang Papier hergestellt!

Den Hauptbeitrag (LINK) habe ich ein weiteres Mal ergänzt (neue Quellen in Fußnote 11).

Lothar Weller, 2.5.2021 – Foto (Ausschnitt, eine ungewöhnliche Ansicht der Düsseler Mühle vor der Kulisse der Gebäude am Bruch 7, undatiert, aber vor 1966): Archiv H.W. Zimmermann.

Kein Maibaum auf dem Anger, aber einer vor der Kirche

Schon zum zweiten Mal ist das 2009 eingeführte Maibaumaufstellen auf dem Anger nun coronabedingt ausgefallen. Vielleicht lohnt sich deshalb mal ein Rückblick auf den 1. Mai vor 12 Jahren (LINK).

Aber einen Maibaum im Dorf gibt es in diesem Jahr schon, nicht so groß wie sonst, aber schön. Er steht nicht an der Kleinen Düssel auf dem Anger, sondern vor der reformierten Kirche an der (großen) Düssel (Foto oben).

Lothar Weller, 1.5.2021 – Foto (1.5.2021): von mir.

Neanderlandsteig: Entdeckerschleife an der Düssel aufgewertet

Nachdem Landrat Hendele vor einigen Monaten auf einen „Notruf“ des Gruitener Geschichtsstammtischs sofort reagierte und innerhalb weniger Tage den völlig zugewachsenen Kalkofen Huppertsbracken am Weg zwischen Winkelsmühle und Bracken freischneiden und danach auch mit einer neuen Einfriedung versehen ließ, geht nun ein weiterer Punkt auf der Entdeckerschleife des Neanderlandsteigs an der Düssel der Vollendung entgegen.

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Clevenhaus – Clevenhäuschen – Klevenhof

In Wikipedia gibt es einen Eintrag Klevenhof1, und gemeint ist tatsächlich ein (untergegangener) Hof in Gruiten (Obgruiten), wie aus der Lagebeschreibung am westlichen Rand des Waldgebietes Osterholz und nördlich der Grube 10 klar hervorgeht. Dort kann man auch lesen: Zur Geschichte des Wohnplatzes ist wenig belegt … und … weitere Namensvarianten waren „Klevenhaus“ und „Kleeffenhauß“. Spätestens durch die zitierten Namensvarianten wird deutlich, dass hier etwas durcheinander geraten ist, denn Clevenhaus lag nicht nördlich der Grube 10, sondern südwestlich davon, direkt neben dem Hof Birschels an der (heutigen) Vohwinkeler Straße. Nördlich von Grube 10 lag Clevenhäuschen.

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Ein Gruitener ging in die Welt und wurde ein berühmter Fotograf

Erich Benninghoven heißt er. Geboren wurde er in Gruiten am 24.2.1873 als 6. Kind des Mühlenbesitzers (Heinhauser Mühle) Hermann Benninghoven und seiner Frau Johanne Kratz. Fast 150 Jahre später (heute) erschien im SPIEGEL ein großer Artikel über ihn, in dem die TITANIC eine wichtige Rolle spielt. Darin heißt es über Erich B. z.B.: „Ein Blick in die Reste des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Ullstein-Archivs zeigt, dass er um die Jahrhundertwende auf der ganzen Welt als freier Fotograf arbeitete. Er lichtete Adelige ab, die preußische Kronprinzessin Cecilie oder Ernst August von Hannover, den letzten Herzog von Braunschweig; er fotografierte sogar die Krönungsfeier der Königin von Siam, dem heutigen Thailand.“ (LINK zum Spiegel-Artikel)

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