Der früheste Nachweis dieses Hofes stammt aus dem Jahre 1387. In einem Register des Stiftes Kaiserswerth wird Heinhausen in Verbindung mit dem Nachbarhof Grund erwähnt.[1] Danach finden wir Heinhausen in der Gruitener Offergerstenrolle von 1448/58 aufgeführt.[2] Das Protokollbuch des Kaiserwerther Hofgerichts zu Schwarzpe enthält dann die Information, dass ein Nikolaus von Heinhausen den Hof 1503 zum Lehen erhielt. 1552 wird ein Rutger von Heinhausen erwähnt und 1558 sein Tod in diesem Protokollbuch vermerkt.[3]  

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Foto aus der Zeit, als der Strom noch durch Überlandleitungen in die Häuser kam: Archiv Breidbach, Bild a50.
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Blick über den Heinhauser Hof. Links oben das Kalkwerk und das Sportheim. Rechts die Seilbahn, die von Grube 7 zum Kalkwerk führte. Foto: Gruitener Archive/Einloos.

Der Heinhauser Hof hat für gleich drei Gruitener Straßennamen Pate gestanden: Heinhauser Weg, Heinhauser Höh und Heinhausen (der Hof liegt an der Straße Heinhausen zwischen Heinhauser Weg und Sinterstraße). Außerdem gibt es noch Heinhauser Löh als Bezeichnung für das Gelände des ehemaligen Steinbruchs im Düsselbogen zwischen der Heinhauser Schmiede und dem Klärwerk.

Das Heinhauser Wohnhaus, ein verschieferter Fachwerkbau (Titelbild), könnte 1723 erbaut worden sein, denn diese Jahreszahl steht auf einer Steinplatte in der Küchenwand[4] (Abb. unten).

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Altes Foto links: Archiv Breidbach, Bild d01. Foto rechts von 2019: Josef Ahrweiler. Das aktuelle Foto rechts zeigt die überarbeitete Tafel, die in der Mitte der untersten Zeile einen anderen Buchstaben enthält als die auf dem alten Foto links. Aber Z – H – H statt Z – U – H ist logischer und deshalb wohl richtig erkannt. Siehe dazu die Auflösung unten. 

Der Text unter der Jahreszahl galt bis vor 10 Jahren als rätselhaft[5], denn das einzige ausgeschriebene Wort ist Herenhavszen, der Rest sind offenbar Abkürzungen. Herrenhausen ist aber kein Hof in Gruiten, sondern liegt in Mettmann. Was hat Herenhavszen, der Mettmanner Hofname, auf einer Tafel im Gruitener Hof Heinhausen verloren? Und von Heinhausen lesen wir auf der Tafel nichts? Des Rätsels Lösung finden wir wenige hundert Meter vom Heinhauser Hof entfernt: In der Mauer um den alten Nikolaus-Turm sind fünf alte Grabsteine eingemauert, die durch Wind und Wetter fast unleserlich geworden sind. Einer dieser Grabsteine fällt ins Auge, weil er besonders kunstvoll gestaltet und beschriftet ist (Abb. unten).

Grabstein Heinhausen-Herrenhausen,AB Bd.17 S.68 (1Ausschn)

Foto aus der Zeit, bevor der Stein in die Kirchhofsmauer eingelassen wurde. Archiv Breidbach, Bd. 17, S. 68.

Auf der linken Seite des Steins wird eines Henrich zu Heinhausen gedacht, auf der rechten Seite seiner Ehefrau Sybilla von Heerrnhauß zu Heinhausen. Henrich ist 1737 gestorben, Sybilla 1738. Mit diesen Angaben lässt sich der unter der Jahreszahl 1723 stehende Teil der Tafelinschrift im Heinhauser Hof ziemlich sicher auflösen:
H – Z – H – H           bedeutet: Henrich zu Heinhausen.
SB – V – HEREN
HAVSZEN
Z – H – H                   steht für: Sybilla von Herenhaußen zu Heinhausen.

Henrich und Sybilla sind auch noch an einer anderen Stelle „verewigt“, nämlich nur wenige Meter von der Kirchhofsmauer entfernt auf dem Querbalken unter dem Giebel des Offerhus‘. Dort heißt es: Anno 1731, den 5. August. Hinrichen Heinhausen, Cebilla Heinhausen, Eheleute. Das Offerhus war ihr Altenteil.

Der Hof Heinhausen hatte seit dem späten 19. Jahrhundert auch einen hohen Schornstein für die damalige Brennerei des Hofes. Er kann als der schönste in Gruiten gelten, denn er war kunstvoller als die anderen im Gründerzeitstil erbaut worden.  

1950er vermutl.,Heinhausen,v.Einloos#+1955ca.Schornstein d.Brennerei
Fotos, vermutl. aus den 1950er Jahren: Gruitener Archive/Einloos.
Bild E32 (Bd.48,S.7) Heinhausen-Schornstein#25%
Noch mind. bis Ende der 1970er Jahre stand der untere Teil des Schornsteins, an dem die Gründerzeitelemente gut zu erkennen waren. Foto: Archiv Breidbach, Bild E32.
1976 DüsselVerlegg, Sammlg.Schuster (14Ausschn)
Foto aus der Zeit kurz vor der Verlegung der Düssel; hier fließt sie noch vor der Heinhauser Mühle und Schmiede durch. Der Schornstein im Hintergrund gehört zur Weberei Edelhoff & Schulte. Foto: Gruitener Archive/Sammlung Schuster.
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Foto aus der Zeit kurz nach der Verlegung der Düssel; hier fließt sie hinter der Heinhauser Mühle und Schmiede durch. Im Vergleich zum vorhergehenden Foto ist der Rückbau des Schornsteins weiter fortgeschritten. Foto: Erika Oppermann.

Von den alten Hofgebäuden existiert nur noch das Wohnhaus, der Rest des Schornsteins ist gefallen, Scheune und Ställe sind durch neue Häuser und Garagen ersetzt worden.

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Foto aus der Zeit um 1980: Gruitener Archive/Sammlung Schuster. (Vom alten Wohnhaus des Heinhauser Hofes ist links im Bildhintergrund der Giebel zu erkennen.)

Die Ära des Hofes als Landwirtschaftsbetrieb endete in den 1980er Jahren.

Lothar Weller, 5.5.2019, bearbeitet/ergänzt 13.5.2019, 22.5.2019, 8.2.2020, 4.7.2020 (Titelfoto von mir, 2016)


[1] Fritz Breidbach, Gruiten – Die Geschichte eines Dorfes an der Düssel, Gruiten 1970, S. 15 und 92 mit Bezug auf Hauptstaatsarchiv Düsseldorf [heute: Landesarchiv NRW], Kaiserswerth, Akten 20 b I.

[2] Archiv St. Nikolaus Gruiten.

[3] Fritz Breidbach (wie Anm. 1) bezieht sich dazu auf das Protokollbuch des Kaiserswerther Hofgerichts zu Schwarzpe in der Honschaft Oberschwarzbach bei Mettmann, das nach seinen Angaben von 1500 an das Register des Stiftes Kaiserswerth fortgeführt hat (S. 15). 

[4] Fritz Breidbach (wie Anm. 1), S. 92. (Dass es sich um das Jahr handelt, in dem das Bewohnerehepaar geheiratet hat, ist jedenfalls ausgeschlossen; dessen Hochzeit fand 1707 statt [Kirchenbuch ref. Gruiten, Heiratseintrag Nr. 1/1707]. Die Ehefrau hat im selben Jahr ihr Mettmanner Kirchenzeugnis vom 28.9.1707 in Gruiten vorgelegt [Liste der eingegangenen Kirchenzeugnisse ref. Gruiten]). 

[5] Die Auflösung des Tafeltextes nach dem alten Foto mit den Schlussbuchstaben Z – U – H wurde von Johann Peter Kratz und mir im Gemeindebrief der ev.-ref. Kirchengemeinde Gruiten, Ausgabe Sept. bis Nov. 2009, S. 17 f. veröffentlicht.