Das hat es seit fast 30 Jahren nicht mehr gegeben: Hochwasser im Dorf! Düssel und Kleine Düssel sind heute reißende Bäche. Die Kleine Düssel hat am Dorfeingang Ost einen kleinen See gebildet und sich von dort einen zweiten Weg mitten durch die Wohnbebauung gebahnt, dabei Keller, Wohnungen und Autos geflutet. Die Pastor-Vömel-Straße steht bis zum Bürgermeistershaus und zum Haus Weidenwerth unter Wasser. Das tiefer liegende ev. Ensemble aus Kirche, Predigt- und Pfarrhaus ist besonders betroffen. Auf dem Anger reicht das Wasser bis an den Kindergarten heran. Hinter dem Haus Offers hat die Düssel eine Breite, die ein X-faches der normalen beträgt – und eine ungeheure Fließgeschwindigkeit. Auch hinter dem Dorf steht links der Düssel alles im Wasser: Heinhauser Mühle, Heinhauser Schmiede, Heinhauser Hof.

Die gerade neu gestaltete Senke am Dorfeingang Ost ist ein kleiner See, aus dem sich die Kleine Düssel nach links einen zweiten Weg durch die Wohnbebauung gesucht hat (Fotos oben und unten).
Das Wasser der Kleinen Düssel reicht bis zum Haus Schwan (links außerhalb des Fotos).
Der Dorfanger ist überflutet. Das Wasser reicht bis an die südlichen Gebäude heran. Oben: ehem. Qualler Scheune, unten: ev. Kindergarten.
Hier ist die Düssel wirklich die Tosende (alte Bezeichnung der Düssel: Tussale = die Tosende). Blick von der Brücke am Zusammenfluss von Düssel und Kleiner Düssel (links Rückseite des Offers).
Erst am Anstieg der Pastor-Vömel-Straße zum Weinberg endet die Flut. Bürgermeistershaus (links) und Haus Weidenwerth (rechts), das gerade restauriert wird, stehen noch im Wasser.
Blick aus dem ev. Pfarrhaus auf den Kirchplatz. um kurz nach 21 Uhr. Foto: Hanno Nell.

Lothar Weller, 14.7.2021 (ergänzt um das Foto mit dem Blick auf den ev. Kirchplatz: 19.7.2021) – Alle Fotos vom 14.7.2021 (4 von mir um ca. 21.45 bis 22.00 Uhr).

LINK: Haaner Treff, 21.7.2021

Siehe dazu auch die Beiträge: Als „die Tosende“ noch das Dorf eroberte, Seit 25 Jahren fließt die Kleine Düssel über den Dorfanger und Breidtshüsken: Wie kommt ein Klinkerbau ins historische Dorf?

Nachtrag 15.7.2021: Der Tag danach.

Die Flutwelle ist durch. Düssel und Kleine Düssel fließen fast so als wäre nichts gewesen. Aber die Schäden an Gebäuden, Einrichtungsgegenständen, Straßen und Wegen sind wohl die größten seit Menschengedenken. Was an Mobiliar und Haushaltsgeräten vor den Häusern steht, was in Containern auf den Abtransport wartet oder schon abgeholt wurde, ist erschreckend. Die folgenden Fotos zeigen nur einen ganz kleinen Teil des Ausmaßes.

Die Feuerwehr pumpt auch am Nachmittag noch einen Keller aus (links). Vor den meisten Häusern liegen die ausgeräumten Sachen oder stehen volle Container (rechts). Foto: von mir.
Auf der gegenüberliegenden Seite (Haus Alte und Neue Brücke) sieht es noch viel schlimmer aus (siehe Nachtrag unten). Foto: von mir.
Nur am Rande des Hochwassers gelegen und doch auch voll erwischt. Foto: von mir.
Noch etwas erhöht, aber schon fast wieder normal fließen Düssel (von links) und Kleine Düssel durchs Dorf. Foto: Udo Koch-Mehrin. (Ergänzt am 10.8.2021.)

Alle Fotos von heute Nachmittag.

Nachtrag 2: Die Aufräumarbeiten gehen weiter.

Foto (19.7.2021): Hanno Nell.
Foto (19.7.2021): Hanno Nell.

Nachtrag 3 (8.8.2021, erweitert 9.8.2021):

So sah es am Abend der Flut am alten Gut Zur Mühlen aus …

Foto (14.7.2021 kurz nach 20 Uhr): K.-A. Niepenberg.
Foto (14.7.2021 kurz nach 20 Uhr): K.-A. Niepenberg.
Foto (14.7.2021 kurz nach 20 Uhr): K.-A. Niepenberg.

… und so am Abend der Flut und am Morgen danach an der Mühle Zur Mühlen.

Foto (14.7.2021 abends): K.-A. Niepenberg.
Foto (15.7.2021 morgens): K.-A. Niepenberg.
Foto (15.7.2021 morgens): K.-A. Niepenberg.

Es gibt Videos, die zeigen, mit welcher Wucht das Wasser der Kleinen Düssel die Mühle umspült hat, und in welcher enormen Breite die Kleine Düssel am 14.7.2021 hinter der Brücke zwischen Voisholz und Scheifenhaus Richtung Gruiten-Dorf floss.

Anmerkung: In der öffentlichen Diskussion wird das Hochwasser, das das Dorf diesmal so katastrophal getroffen hat, häufig als Düssel-Hochwasser eingestuft. Das ist nur bedingt richtig, denn nach dem, was ich mit eigenen Augen und auf Videos gesehen habe, war nicht die Düssel, sondern die Kleine Düssel für die verheerende Flutwelle durchs Dorf „verantwortlich“. Das erklärt auch, warum diesmal so viele Häuser geschädigt wurden, die wegen ihrer etwas abseitigen oder höheren Lage von einem Düssel-Hochwasser gar nicht oder nicht so leicht erreicht werden. Insbesondere ein Video, das am 14.7. um 19.22 Uhr aufgenommen wurde, zeigt eindrücklich, dass die Flutwelle von Ost nach West durchs Dorf geschossen ist und zeigt sogar, dass die Düssel zu dieser Zeit noch gar nicht auf dem Niveau dieser Flutwelle war, denn das Wasser aus der Kleinen Düssel fließt am Haus Alte Brücke/Neue Brücke (gegenüber dem Predigthaus) von der Straße in die noch nicht so volle Düssel. Nach meiner Einschätzung darf sich die anlaufende Diskussion um einen verbesserten Hochwasserschutz für das Dorf keinesfalls auf die Düssel beschränken. Der Schutz gegen eine Flut der Kleinen Düssel scheint viel wichtiger zu sein als bisher angenommen! Ein Düssel-Hochwasser bedroht vor allem die Dorfmitte, eine starke Flutwelle der Kleinen Düssel (wie die vom 14.7.) aber das Dorf fast über die ganze Breite von Ost nach West.

Nachtrag 4 (9.8.2021): Woher kam das viele Wasser, das Gruiten-Dorf überflutete?

Es kam besonders über den Krutscheider Bach in die Kleine Düssel.

Repro mit Anmerkungen von mir.
Der Krutscheider Bach hatte um ca. 17.30 Uhr am 14.7. bereits vor der Brücke einen kleinen See gebildet. Das Foto zeigt die Stelle in der Karte oben unterhalb von „Grube 10“. Foto: K.-A. Niepenberg.
Das überlaufende Regenrückhaltebecken (Krutscheider Bach vor der Mündung in die Kleine Düssel) um ca. 17.30 Uhr am 14.7.2021 (Mitte der Karte oben). Foto: K.-A. Niepenberg.

Werbung