Als 1841 die erste westdeutsche Eisenbahnlinie von Düsseldorf nach Elberfeld (Steinbeck) fertiggestellt war, gehörte die Gemeinde Gruiten zur Bürgermeisterei Haan (seit der napoleonischen Kommunalreform Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gründung der Bürgermeisterei Gruiten 1894). Das war der Grund dafür, den Haltepunkt auf Gruitener Gebiet gut 50 Jahre lang „Haan“ zu nennen. 

1841-08-30 Fahrplan D'dorf-ElberfelderEisenbahn40%
Der Fahrplan zur Eröffnung der Gesamtstrecke für den Personenverkehr 1841 nennt zwischen Düsseldorf und Elberfeld die Haltepunkte Gerresheim, Erkrath, Hochdahl, Haan und Vohwinkel.

Das neue Verkehrsmittel hat sogar in privaten Aufzeichnungen seinen Niederschlag gefunden. Ein damaliger Gruitener notierte folgendes: 

1837-41 Eisenbahnbau,BüscherNotiz m.Transkript40%
Notiz des damals 37 Jahre alten Gruiteners Carl Wilhelm Büscher (mit Klartext von mir), der der folgende Zeitungsausschnitt beigefügt ist.
1841 Bahnstrecke D'dorf-ElberfeldSteinbeck fertig,Ausschn
Dieser Zeitungsausschnitt enthält einen Druckfehler: Die Strecke Düsseldorf-Erkrath wurde nicht am 20.12.1837, sondern genau ein Jahr später, also am 20.12.1838 in Betrieb genommen. 

Bekannt ist, dass es in den ersten Jahren der Bahn kein offizielles Bahnhofsgebäude in Gruiten (Station Haan) gab und der Wirt eines nahe gelegenen Wirtshauses die Billets (Fahrkarten) verkaufte. Aber schon 1844 wurde ein Bahnhof mit Wartesaal, Empfangslokal und Wohnung für den Stationsaufseher gebaut, nachdem zuvor ein Güterschuppen fertiggestellt worden war. Im Jahre 1845 standen noch Restarbeiten aus, wie das Verputzen, Anstreichen der Treppen und die „Bedielung“ des Speichers. Wie dieser Bahnhof aussah, ist nicht überliefert.[*]

Den bisher frühesten Nachweis eines Gruitener Bahnhofsgebäudes liefert der folgende Kataster-Auszug von 1868: 

1868-Kataster,Gruiten Bahnhof v.L.Blümel,PlanA#30%,Ausschn.m.Markierung
Der Grundriss des Bahnhofsgebäudes (blaue Markierung von mir) entspricht ziemlich genau dem des heute noch vorhandenen. 

Nicht nur der Grundriss im Kataster-Auszug, auch die ältesten bekannten Bilder des Bahnhofs zeigen eine große Übereinstimmung mit dem heute noch vorhandenen Gebäude. 

1899max.,Bahnhof_Gruiten,Ausschn.nurBhf
Ausschnitt einer Ansichtskarte, die nach dem Poststempel 1899 befördert wurde. 
1903 GruitenAnsichtskarte,kleinerAusschn.Station m.Bhf,50%
Bahnhof (links im Bild) und frühe Bebauung an der Bahn- und Bergstraße. Ausschnitt einer Ansichtskarte, die nach dem Poststempel 1903 befördert wurde.
1909min.,Gruiten Bf.,Loch ausgefüllt#30%
Undatierte Ansichtskarte aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, aber nicht vor 1905, weil auf dem Bild Stromleitungen zu erkennen sind (Gruiten wurde 1905 elektrifiziert). Der Vergleich mit dem Foto von 1899 zeigt, dass der Bahnhof äußerlich inzwischen renoviert und eine Stationsbezeichnung („Gruiten“) angebracht worden war. 
1952max., Bahnhof,Eingg Bahnstr#ArchAhrw,Ausschn
Ausschnitt einer undatierten Ansichtskarte aus der Trolleybuszeit (1930-52). Rechts vom Bahnhof das alte Stellwerk, ganz rechts der Trolleybus im Wendekreis vor dem Gasthof zur Post. Bestand: Archiv Ahrweiler.
Bahnhof,UngerFoto,Auschn,70%
Ausschnitt einer Ansichtskarte. Rechts vom Bahnhof das alte Stellwerk. Foto (vermutlich um 1950): Sepp Unger/Kreisarchiv ME (Gruitener Archive/Kadatz #67/812).
1974max.,Bahnhof,Kadatz#68,UngerFoto,30%,Aussch
Eine weitere Aufnahme aus der Dampflokzeit. Foto: Sepp Unger/Kreisarchiv ME (Gruitener Archive/Kadatz #68).
2007-11-28 Bahnhof (2)Ausschn,30%
Foto (2007): von mir. 
2005 Bahnhof Südseite v.Westen (2)30%
Foto (2005): von mir.

Die Fotos zeigen, dass die Südseite des Bahnhofshauptgebäudes seit über 120 Jahren weitgehend unverändert erhalten geblieben ist. Sogar die Schmuckelemente über den Fenstern im Obergeschoss gibt es schon mindestens 100 Jahre. Und der oben abgebildete Grundriss des Gebäudes aus dem Jahre 1868 lässt darauf schließen, dass der Bahnhof im Kern schon über 150 Jahre alt ist.

Fotos von der Vorderseite des Bahnhofsgebäudes gibt es leider bisher nur wenige. Das älteste Bild (Abb. unten) zeigt einen Fachwerkteil, der aber im Verdacht steht, nur „künstlerischer Freiheit“ entsprungen zu sein, denn es gibt dafür bisher keine Bestätigung.

Bhf.Gruiten alt,60%
Alte Ansichtskarte, vermutlich aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts.
1954-55 Bahnhof Nordseite#
Blick aus dem Thunbusch auf die Nordseite des Bahnhofs. Foto (ca. 1954/55): Gruitener Archive.
2011-04-15 Bf.Gruiten (1)Ausschn,30%
Nordseite des ehemaligen Bahnhofsgebäudes. Foto (2011): von mir. 

Lothar Weller, 27.4.2020 (Anmerkung [*] um Quelle erweitert: 2.5.2020)


[*] Gerard Clemens, Manuskript seines Vortrags „175 Jahre Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn“, gehalten am 8.6.2016 beim Bergischen Geschichtsverein Haan. (Quelle f.d. Bau des Stationsgebäudes mit Wohnung für den Stationsaufseher und die Vollendung des Güterschuppens: Jahresbericht der Direction der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn für 1844, S. VI Nr. 3.)