Eine Apotheke hatte Gruiten schon vor etwa 270 Jahren, aber nur ein knappes Vierteljahrhundert lang. Danach dauerte es bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts, ehe in Gruiten wieder eine Apotheke für die ortsnahe Versorgung mit Arzneimitteln vorhanden war. Die alte Gruitener Apotheke befand sich im Dorf, die modernen Apotheken eröffneten ihre Geschäftsräume „auf Station“.

Um 1750 baute Jacob Lauterbach, der damals berühmte Gruitener Arzt, das schöne Haus, das noch heute als Doktorshaus an ihn erinnert. In diesem Haus befand sich damals nicht nur Lauterbachs Praxis, sondern auch seine Apotheke. Diese Information verdanken wir einem literatischen Werk von 1784/85 (Jung-Stilling: Theobald oder die Schwärmer), in dem es heißt: […] hatte Rosenbach [Pseudonym für Lauterbach] auf der andern Seite an der Hausthür […] dem Saal [gegen]über eine große vollständige Apotheke, und einen Provisor darinnen […]. Und der Name seines wahrscheinlich ersten Provisors ist durch ein in Gruiten vorhandenes Dokument von 1759 bekannt, in dem er als Apotheker bezeichnet wird: 

IIAc Nr.03 (2) RücksNotiz,Ausschn.Krieckhaus
„[…] aus der Nachlassenschaft des Apothekers, Joh. Peter Krieckhaus. Vom Jahr 1759.“ (=Krieckhaus‘ Sterbejahr) Quelle: Altarchiv der ref. Kirchengemeinde Gruiten, Akte IIAc Nr. 3.) 

Aber diese frühe Gruitener Apotheke ist wohl nach Lauterbachs Tod (1773) ebenso untergegangen wie seine Arztpraxis; für ein Weiterbestehen der Apotheke gibt es jedenfalls bisher keinen Nachweis. Von nun an mussten die Arzneien für Gruitener Patienten aus den umliegenden Orten beschafft werden. Zeitweise soll ein Botendienst eingerichtet gewesen sein, der Rezepte in eine Mettmanner Apotheke und die verordneten Medikamente zu den Patienten brachte. Wann es diesen Botendienst gegeben hat, ob im 18./19. Jahrhundert oder – was wegen der Erinnerung an ihn wahrscheinlicher ist – erst im 20. Jahrhundert, ist mir bisher nicht bekannt. Gebraucht worden wäre er jedenfalls bis Ende 1957, denn erst am 14.12. d.J. eröffnete der Mettmanner Apotheker Lang (Inhaber der Mettmanner „Löwen-Apotheke“) die erste moderne Gruitener Apotheke im Hause Bahnstraße 6 (dem Postamt gegenüber, früher Bäckerei Schmittmann bzw. noch früher Sterner). Geführt wurde sie bis Mitte 1959 von der Apothekerin Adelheid König, dann übernahm sie der aus Magdeburg nach Düsseldorf übergesiedelte Apotheker Karl Kröber.

Bild NN (Bd.4,S.11) 1972 GruitenerApothekeBahnstr.6,1957-79,30%
„Gruitener Apotheke“ Bahnstr. 6 (von 1957 bis 1979). Foto von 1972; das Titelfoto ist ein Ausschnitt daraus.
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Apotheker Karl Kröber 1972 in der „Gruitener Apotheke“ Bahnstr. 6.

Als auf dem Grundstück Bahnstraße 23 ein Ärztehaus mit Apotheke entstehen soll, entschließt sich Kröber, seine Apotheke nach Fertigstellung des Hauses dorthin zu verlegen. Am 28.1.1980 – also vor 40 Jahren – wurde die neue „Gruitener Apotheke“ an der Bahnstraße 23 eröffnet. Am 1.1.1983 übergab Kröber aus Altersgründen diese Apotheke an die Apothekerin Christa Bovensiepen aus Gruiten. Und vor knapp 20 Jahren (1.4.2000) ging sie in den Besitz der Apothekerin Viktoria Peters über, die sie auch heute noch führt. 

Lothar Weller, 23.1.2020


Quelle für die Informationen der Zeit von 1957 bis 1983: Archiv Breidbach, Bd. 4, S. 12.

Links: RPonline, 9.2.2020 * Haaner Treff, 5.2.2020