Es liegt ein wenig außerhalb des Dorfes, ein üblicher Dorfrundgang führt nicht an ihm vorbei, selbst vom äußersten Punkt des Dorfrundgangs am westlichen Ortsausgang, dem alten Nikolausturm, ist es trotz der geringen Entfernung nur zu erahnen. Fritz und Ernst Breidbach haben es – soweit ich sehe – in ihren Schriften nicht erwähnt. Auch in der Denkmalliste steht es nicht. Aber das Haus Kämpchen gehört nicht nur zu Gruitens „Perlen“, es hat auch für kurze Zeit einen später sehr prominenten Gruitener beherbergt, bevor der um 1750 sein eigenes Haus gebaut hatte: „Doktor“ Lauterbach.

Das Haus Kämpchen liegt an der Mettmanner Straße (auch die Bushaltestelle vor dem Haus heißt „Kämpchen“). Es stand schon dort, als es die Mettmanner Straße noch gar nicht gab und aus dem Dorf hinaus nur ein schmaler Karrenweg nach Mettmann führte.

273_U2_Gruiten_F lur_2,Ausschn.Kämpchen-Kamp,m.Erg.LW,50%
Ausschnitt Urkataster 1830/31-69, Repro und rote Ergänzungen von mir. 

Der Name deutet auf eine ursprüngliche Zugehörigkeit zum Hof Kamp (unterhalb des Verkehrsübungsplatzes) hin, aber das Kämpchen hat auch einige Zeit zum Hof Grund gehört und wurde deshalb Grunder Kämpchen genannt. 

Der Vergleich der Karte oben mit den folgenden von 1919 und 1944 zeigt, dass sich die Bebauung seit der Urkatasterzeit geändert hat. 

1919 Plan,kompl.Montage,Ausschn.Kämpchen,m.Anm.LW
Ausschnitt eines Katasterplans von 1919. Das schmalere Gebäude (für die Schreinerei) ist später errichtet worden als das größere Wohnhaus. Quelle: Archiv St. Nikolaus Gruiten. Repro und blaue Ergänzungen von mir.
1944-04-20 Karte kath.Gemeinde (12) Kamp,Kämpchen,Ausschn,m.Erg.LW
Ausschnitt eines Katasterplans von 1944. Quelle: Archiv St. Nikolaus Gruiten. Repro und weiße/blaue Ergänzungen von mir. 

Der Grund für den Neubau soll ein Brand im späten 19. Jahrhundert gewesen sein.[1] Das neue Gebäude wurde damals als „Weberhaus“ gebaut, was heute noch an der hochliegenden Decke im Erdgeschoss zu erkennen ist. Für die Webstühle der damaligen Hausweber reichte die sonst übliche Raumhöhe nicht aus. Auch der Webstuhl der Familie Breidbach stand einige Zeit im Haus Kämpchen, bevor diese Anfang des 20. Jahrhunderts ein eigenes Haus am Schwarzen Weg (heute „Grüner Weg“) baute.[2]

1914 Fritz Breidbach sen.amWebstuhl,AB Bd.9,S.67#20%
Fritz Breidbach sen. am Webstuhl. Foto: Archiv Breidbach.
1956min.,DorfteinggWest m.Lorenbahn#UngerFoto,AA18,Ausschn,50%
Diesen Blick auf den Dorfeingang West mit dem Fangnetz für die darüber verlaufende Kalkstein-Lorenbahn im Vordergrund hatte man vom Kämpchen mehrere Jahrzehnte lang. Foto (nach 1956): Archiv Ahrweiler.
1961 MettmannerStr nachTunneleinbruch,SeppUngerFoto
Blick aus der Gegenrichtung mit Kämpchen im Hintergrund. Foto (1961): Sepp Unger/Kreisarchiv Mettmann.
1934 Einführung or Ankunft Pr.Marschall##Ausschn,50%,m.Anm
Kämpchen: Aus Richtung Dorf kaum zu erkennen.  Foto oben (Ankunft von Prälat Marschall, Jahreswechsel 1933/34): Archiv Ahrweiler. Foto unten (ca. 1973, Blick vom Turm der kath. Kirche, Ausschnitt): Gruitener Archive/Kadatz#765.

1973ca., Bl.v.kath.KiTurm Richtg.AT,Kadatz#765,Ausschn,70%,m.Anm

Bild r21 GrunderKämpchen,Ausschn,40%
Blick aus Richtung Mettmann kommend, wahrscheinlich 1970-80er Jahre, Foto (Ausschnitt): Archiv Breidbach, Bild r21.

Die Hausweberei ging seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durch die aufkommenden mechanischen Webereien (in Gruiten „Edelhoff & Schulte“) stark zurück. Das Kämpchen diente deshalb die meiste Zeit des 20. Jahrhunderts als Wohnhaus mit einer Schreinerei im Hinterhaus, das aber 1992 durch einen Brand zerstört wurde.

1975 Wilh.Vieten,MettmannerStr11
Vorgänger von Wilh. Vieten waren Wilh. Bergmann (vermutl. schon seit vor 1900[3]; im Adressbuch von 1901 ist er als Schreiner unter Kämpchen aufgeführt) sowie Karl Bergmann (im Adressbuch [AB] von 1953/54 mit dem Zusatz „Bau- u. Möbelschreinerei, Kämpchen 42“, im AB von 1958 als „Schreinermstr., Mettmanner Str. 11“ enthalten), vermutl. zeitweise mit Hans Bergmann, Tischler, Kämpchen 42 (AB 1953/54, in AB 1958 nicht enthalten). Repro von mir aus einer Festschrift von 1975.
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Kämpchen (rechts), Foto (2010): von mir. 
2006-03-12 (13#)30%,Ausschn
Blick aus Richtung Gruiten-Dorf kommend. Foto (2006): von mir. 

In den Jahren 2000/01 erhielt das Kämpchen den schönen Anbau (oben links, unten Mitte), dessen Fachwerk nach alter Handwerkskunst errichtet und verzapft wurde.[4] 

2008-02-28 Kämpchen,Dorfseite,Ausschn
Seite Richtung Gruiten-Dorf, Foto (2008): von mir.
2005-10-29 Mettmanner 11 (2#)30%
Foto (2005): von mir.

Lothar Weller, 14.1.2020, ergänzt (Anm. 3) 16.1.2020


[1] Einen Nachweis für diese Überlieferung gibt es bisher nicht, aber die unterschiedlichen Grundrisse der Gebäude auf den Karten von 1830/31-69 und 1919/1944 deuten darauf hin, dass es tatsächlich in der Zwischenzeit einen völligen Neubau gegeben hat.

[2] Karl Julius, Rheinische Post vom 24.8.1974, Artikel „Die weiße Weste stand hoch im Kurs“ (gezeichnet mit „ju“). 

[3] Der bisher früheste Nachweis für den Schreiner Wilhelm Bergmann stammt aus 1881. Quelle: Archiv St. Nikolaus Gruiten, Mappe 2, Teil Küsterhaus, Angebot Wilh. Bergmann über Schreiner-/Zimmererarbeiten. (Dieses Dokument enthält aber keine Angabe darüber, wo sich die Bergmannsche Werkstatt zu dieser Zeit befand.) 

[4] Informationen des Bauherrn und Eigentümers.