Das alte und das junge Gruiten nebeneinander auf einem Foto (oben), das ist selten. Links der uralte Gruitener Hof Düsselberg und rechts eine Villa, deren Jugendstilelemente auf ihre Entstehung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hinweisen. 

Der Hof Düsselberg soll schon 1351 urkundlich erwähnt worden sein[1], wird aber überraschenderweise in einem Gruitener Höfe-Verzeichnis von 1448/58 nicht aufgeführt.[2] Ein Rottzehntverzeichnis bestätigt jedoch die Existenz des Hofes für die Zeit um 1545, denn darin heißt es, dass Peter auf dem Düsselberg an der Düssel 3 1/2 Morgen Wald gerodet habe und dafür jedes Jahr ein gewisses Quantum Hafer abliefern müsse.[3] 

Der Hof lag an einem wichtigen Verkehrsweg. Fritz Breidbach hat dazu geschrieben: Von Mettmann aus in das Dorf Gruiten zu gelangen, war wegen der ungünstigen Geländeverhältnisse am Kampersiepen [nahe Hof Kamp unterhalb des Verkehrsübungsplatzes] äußerst schwierig. So umging der Weg, der Mettmann ursprünglich mit dem Amt Solingen und weiter mit dem Oberbergischen in dieser Richtung verband, das Dorf Gruiten. Am heutigen Potherbruch bog er im rechten Winkel nach Groß Poth ab und verlief an Klein Poth und am Grünen Bäumchen vorbei in das hier allmählich abfallende Tal der Düssel am Düsselberg, ging an der anderen Seite der Düssel wieder hoch […] und erreichte in gerader Richtung an der Voisheide den Weg, der hier aus dem Dorf Gruiten kommend weiter nach Solingen führte […]. Es war die Solinger Straße, wie sie als solche auf einer Karte der Freiheit Mettmann aus dem 17. Jahrhundert bezeichnet wird. Die Gruitener aber nannten sie den Marktweg. Dieser Name wird durch eine gleichlautende Flurbezeichnung in ihrem Verlauf auf Gruitener Gebiet bestätigt. Sowohl in Mettmann als auch in Gräfrath wurde Markt gehalten. So hatte auch diese Bezeichnung ihre Berechtigung.[4] Und sie hat sich im Gruitener Straßennamen „Am Marktweg“ erhalten.

Tapperts Hof Düsselberg, Villa Düsselberg,20%
Im Vordergrund der Marktweg. Gemälde eines unbekannten Malers. Repro: Gruitener Archive/Fleck.

Mindestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist der Hof Düsselberg als landwirtschaftliches Gut bewirtschaftet worden. Wie es nach dem Tod von Joseph und Antonette Tappert, die den Hof zu dieser Zeit führten, aber beide 1898 starben, weiterging, ist nicht bekannt. 

Darüber, wie lange die Gebäude des Hofes Düsselberg noch erhalten waren, gibt es die Aussage: Der […] Hof Düsselberg mußte Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen werden.[5] Sie stimmt aber nicht mit vorhandenen fotografischen Belegen überein. Zumindest das Haupthaus des Hofes muss noch bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts bestanden haben, denn eines der Fotos kann nach den darauf abgebildeten Personen nur in den 1950er Jahren entstanden sein und das andere – ein Farbfoto – müsste noch jünger sein.

Bild i35 Düsselberg#20%
Foto (1950er Jahre): Archiv Breidbach, Bild i35.
Bild i36 Düsselberg,20%
Foto (vermutlich 1960er bis 1970er Jahre): Archiv Breidbach, Bild i36.

Im Vergleich zum Hof Düsselberg ist die Villa relativ jung. Wer sie gebaut hat, ist bisher nicht bekannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll sie einige Zeit das Domizil des Betriebsleiters des Gruitener RWK-Kalkwerks gewesen sein, aber eine Quelle, die das bestätigt, habe ich bisher nicht gefunden. 

Bild U12 Düsselberg#20%
Vorderseite des Hauses, Foto (undatiert): Archiv Breidbach, Bild U12. (Nach der Antenne am Giebel und dem Autoheck zu urteilen, könnte das Foto aus den 1970er Jahren stammen.)
2011-01-10 Düsselberg (2)20%
Foto (2011): von mir.
2012-03-09 Düsselbr.+Hs.Düsselbg (4)#20%
Blick auf die Düsselseite des Hauses. Foto (2012): von mir.
2007-02-22 Düsselberg (3)20%
Von der Düsselberger Straße kommend, ist das Haus erst sehr spät zu sehen. Foto (2007): von mir.

Lothar Weller, 18.10.2019 – Titelfoto (wahrscheinlich aus der Zeit um 1900 bis 1910): Gruitener Archive/Kratz (Archiv Breidbach, Bild i37)


[1] Historischer Lehrpfad, hg. vom Bürger- und Verkehrsverein Gruiten, 6. Auflage, Mai 2003, S. 44: Der Hof Düsselberg wird in Urkunden des Hauses Schlickum um 1351 für eine erteilte „Quallgerechtsame“ genannt. 

[2] Archiv St. Nikolaus Gruiten, Offergerstenrolle/-register, Abschriften von 1639 und um 1700. Fritz Breidbach, Gruiten – Die Geschichte eines Dorfes an der Düssel, Gruiten 1970, S. 23.

[3] Breidbach (wie Anm. 2), S. 77. (Quelle für das späte 17. Jahrhundert im Archiv St. Nikolaus Gruiten: Dokument über den Nachlass des 1697 verstorbenen Pastors Roßkopf, in dem von zwei Pächtern auf dem Düsselberg die Rede ist: […] haben die beyde pfächter auffm Düsselberg […].)

[4] Fritz Breidbach, Die „Solinger Straße“ und der „Communalweg“ nach Gruiten, in: „Medamana“ Nr. 3/1969, S. 24.

[5] Historischer Lehrpfad (wie Anm. 1).