Ob es die Treppe an der östlichen Giebelwand des Doktorshauses, das um 1750 erbaut wurde, von Anfang an gegeben hat, ist nicht belegt. In einem literarischen Werk von 1784 ist zwar im Zusammenhang mit einem Besuch im Doktorshaus von einer Haustür an der Giebelwand die Rede, aber eine Treppe, die zu ihr führte, wird dort nicht erwähnt. Für Anfang des 20. Jahrhunderts ist sie jedoch durch ein Foto belegt (Abb. unten). 

1911ca., Doktorshaus,Kadatz o.Nr.#20%.jpg
Ansichtskarte mit Poststempel „24.12.1911“. Gruitener Archive/Sammlung Kadatz #760.

Direkt an der Treppe stand eine alte Ulme, die bereits 1675 im Zusammenhang mit dem Setzen eines Grenzsteins gepflanzt worden ist.[1] Fritz Breidbach hat 1970 über sie und die Treppe geschrieben: Die hohe Steintreppe […] am Giebel konnte nicht erhalten bleiben, weil sie von den Wurzeln der das Haus hoch überragenden alten Ulmen nach und nach gehoben und auseinandergerissen worden war. Die Ulme aber hält immer noch einen Treppenstein in ihrem Stamm fest, der mit ihr verwachsen ist, eine letzte Erinnerung an vergangene Zeiten.[2] Anfang der 1950er Jahre soll die Treppe abgebaut worden sein.[3] Das Titelfoto zeigt den Stein in der Ulme 1972. Eine Treppe und ein Eingang ins Haus sind zu dieser Zeit an der Giebelwand nicht vorhanden, wie das Foto zeigt. In einem Presseartikel aus der Zeit kurz vor der Restaurierung des Doktorshauses Anfang der 1980er Jahre heißt es, dass der Eingang in der Giebelwand zugemauert wurde, als die Treppe in den 1950er Jahren abgerissen werden musste.[4] Seit der Restaurierung, bei der das Fachwerk der östlichen Giebelwand wieder freigelegt und die Tür darin wieder hergestellt wurden, gibt es wieder eine Treppe an der alten Stelle. 

1980ca. Doktorshaus,Offerhus,Kadatz#738,Ausschn,60%
„Doktorshaus“ nach der Restaurierung mit neuer Treppe zur wieder hergestellten Tür in der Giebelwand. Foto: Gruitener Archive/Sammlung Kadatz #738.

Zu dieser Zeit stand die inzwischen über 300 Jahre alte Ulme mit dem eingewachsenen Stein aus der alten Treppe noch. Der Stein wurde in den neuen Treppenunterbau hervorspringend integriert, wie das folgende Foto zeigt:

1980er ca., a.Treppenstufe i.Baum, neue Treppe,H.VollmarFoto#50%
Gruitener Archive/Harro-Vollmar-Foto.

Aber nur kurze Zeit später wurden die Ulmen am Doktorshaus so stark vom Ulmensplindkäfer befallen, dass sie nicht mehr gerettet werden konnten[5a] und  gestutzt bzw. vollständig gefällt werden mussten.[5b]

1983-03-27 Bl.a.Doktorshs+Offers,Kadatz#536,Ausschn,50%
Foto (März 1983), Gruitener Archive/Sammlung Kadatz #536.
1996ca. Doktorshs,RolfLaxFoto,AA17,Ausschn,50%
Der Baumstumpf im letzten Stadium. Gruitener Archive, Rolf-Lax-Foto.

Einige Zeit stand noch der untere Teil des Stammes der Ulme an der Treppe (Abb. oben), aber seit auch der entfernt wurde, ragt der alte Stein ganz frei aus dem Treppenunterbau heraus (Abb. unten).

2006-03-12 (17)Ausschn,40% m.Kreis umStein
In der Markierung: der Stein. Foto (2006) von mir.

Lothar Weller, 1.10.2019 – Titelfoto (1972): Archiv Ahrweiler, AA17.


[1] Archiv der ref. Kirchengemeinde Gruiten, Akte IIAa Nr. 4 (Vertrag Kircher Kamp / Quall). 

[2] Fritz Breidbach, Gruiten – Die Geschichte eines Dorfes an der Düssel, Gruiten 1970, S. 62.

[3] Presseartikel (vermutlich Rheinische Post) mit der Überschrift Treppenstein steht in der Linde [richtig: Ulme] vom 16.6.1956: Vor einigen Jahren ist die alte Treppe, die zum „Doktorshaus“ führt, abgebrochen worden. Zu ihr gehört der Stein. Im Laufe der Jahre ist die Linde [Ulme] in den Treppenstein hineingewachsen. Der Artikel enthält ein Foto des eingewachsenen Steins. 

[4] Rainer Feldbrügge, Presseartikel Doktorhaus wird „rekonstruiert“, vermutlich 1980/81 erschienen, nicht bekannt wo. Der Artikel enthält ein Foto, das in der östlichen Giebelwand, deren Fachwerk noch nicht wieder freigelegt war, nur Fenster, aber keine Tür zeigt. Erkennbar ist darauf jedoch eine Treppe, die an der nördlichen Hausseite vom Heinhauser Weg hinauf führt. 

[5] a) Rheinische Post, 17.9.1982: Ulme ist nicht mehr zu retten. Zu dieser Zeit war – wie auch das abgebildete Foto zeigt – die Ulme schon völlig abgestorben und entlaubt. b) Westdeutsche Zeitung, 25.3.1983: Das abgebildete Foto zeigt, dass die Ulme am Doktorshaus bis auf die Höhe der mittleren Fensterreihe und die andere Ulme etwas weiter unten am Heinhauser Weg bis auf einen hohlen Reststumpf gestutzt sind.

 

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