Nur zwei undatierte Bilder von ihr sind bisher bekannt (Titelfoto und Abb. unten), aber mehr als drei Jahrhunderte lang war diese Brücke ein wichtiger Übergang über die Düssel beim uralten Hof Bracken. Wer vom Lokal Im kühlen Grunde eine kurze Strecke düsselabwärts geht, erreicht auch heute an dieser Stelle eine Brücke, aber es ist seit 40 Jahren nicht mehr die alte Bruchsteinbrücke, sondern eine „moderne“ Betonbrücke.

Bild k24 Brücke Bracken#20%
Die alte Brücke. Foto: Archiv Breidbach k24.
1980min., neueBrackenBrücke,Ausschn
Die neue Brücke (1980), Foto: Gruitener Archive.
2011-01-28 Bracken (9)Ausschn,30%
Ganz rechts die neue Brücke (2011).

Weihnachten 1978 war die alte, durch Frostschäden geschwächte Brücke, deren Restaurierung schon geplant war, durch ein Düsselhochwasser so schwer beschädigt worden, dass sie sofort für jeden Verkehr gesperrt wurde. Die Presse berichtete, dass ein aufmerksamer Anwohner am Abend des ersten Weihnachtstages die Stadtverwaltung anrief und meldete, dass die Brücke einzustürzen drohe. Schon am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde mit dem Bau einer zehn Meter langen, 1,20 m breiten provisorischen Holzbrücke über den noch bestehenden Teil des alten Brückengewölbes begonnen, um wenigstens den Fußgängerverkehr wieder zu ermöglichen.[1] Zehneinhalb Monate bestand das Provisorium, und die Anlieger mussten mit dem Auto lange Umwege fahren. Die alte Brücke wurde nicht wieder aufgebaut. Stattdessen wurde ein kompletter Neubau beschlossen. Mitte November 1979 fügte ein 100-Tonnen-Kran die vorgefertigten Teile der neuen Brücke zusammen, und einige Tage später wurde die fünf Meter breite Brücke mit einer 3,50 m breiten Fahrbahn für den Fahrzeugverkehr freigegeben.[2] 

Beim Abriss der alten Brücke wurden zwei Steine mit den eingemeißelten Jahreszahlen „1645“ und „1755“ sichergestellt.[3] Seither gilt 1645 als das Baujahr der alten Brücke und 1755 als ein Jahr, in dem die Brücke renoviert worden ist. Ein dritter Stein mit der Inschrift „W. Thielenhaus, W. Schrath, 1870“ (von dem der erste Name bisher nicht abschließend geklärt ist) kam noch hinzu und nennt wahrscheinlich ein weiteres Renovierungsjahr.[4] Die drei Steine wurden auf der linken Düsselseite nahe der Brücke in einen Betonsockel gesetzt und stehen dort noch heute. 

1979 Steine a.d. Bracken-Brücke,Kadatz#549,40%
Die Steine neben der Brücke. Die beiden linken Steine konnten auf  den ganz oben abgebildeten alten Brückenfotos ziemlich sicher als Schlusssteine der Brückenbogen düsselauf- und abwärts identifiziert werden. Foto (1979): Gruitener Archive/Sammlg. Kadatz #549.

Um die Pflege dieser Steine kümmert sich dankenswerterweise die „Schutzgemeinschaft der Anwohner Ehlenbeck, Bracken, Schragen und nähere Umgebung“[5], und das ist von Zeit zu Zeit auch nötig, denn Wetter und Vegetation setzen ihnen zu, wie das folgende Foto zeigt: 

Samsung  DIGITAL CAMERA
Foto von 2004.

Lothar Weller, 8.9.2019, ergänzt 28.7.2020 um Anm. 4 – Fotos: Gruitener Archive (Titelfoto: Archiv Breidbach, Bild k21) und zwei von mir (2004 und 2011).

PS: Wer hat noch Fotos der alten Brücke?

Link: Haaner Treff, 2.10.2019 (S. 14)


[1] Presseartikel vom 27.12.1978: „Düssel riß alte Brücke auf“ (vermutlich Rheinische Post oder Generalanzeiger/Westdeutsche Zeitung), Archiv Breidbach, Bd. 54, S. 34. 

[2] Presseartikel vom 15. und 16.11.1979: „Provisorium ist jetzt abgestellt“/“Brücke Bracken bald befahrbar“ (vermutlich Rheinische Post oder Generalanzeiger/Westdeutsche Zeitung), Archiv Breidbach, Bd. 55, S. 12.

[3] Presseartikel vom 15.11.1979 (wie Anm. 2).

[4] W. Schrath wird Wilh. Schrath sein, der im Adressbuch Düsseldorf-Land etc. von 1880 als Müller und Ackerer Brackermühle enthalten und am 21.9.1884 im Alter von fast 80 Jahren gestorben ist (Kirchenbuch ref. Gruiten, enthält die Angabe Ackerer u. Müller Brackermühle). W. Thielenhaus würde allerdings nur sinnvoll, wenn man eine (unbemerkte oder tolerierte) fehlerhafte Schreibweise von W. Thienhaus unterstellen könnte, denn ein J.W. Thienhaus ist 1862 durch Heirat mit J.A. Keusenhoff auf den Großen Bracken gekommen (Kirchenbuch ref. Gruiten, Heirat 3/1862). Da die Brücke zwischen dem Großen Bracken und der Brackermühle über die Düssel führte, könnten diese beiden Höfe ein Interesse an der Instandhaltung der Brücke gehabt haben.  

[5] Rheinische Post online, 19.5.2015, Artikel „Heimatschützer pflegen Erinnerung an Vergangenheit“