Auch die ältesten Fotos des Hauses, die aus dem späten 19. Jahrhundert stammen, zeigen eindeutig ein Wohnhaus, aber als ein Architekt das Haus untersucht, findet er in allen Außenwänden geschlossene Lüftungsschlitze, die früher offen gewesen sein müssen und damit nicht zu einem Wohnhaus passen. Außerdem erkennt er deutlich eine Dachkonstruktion, die nur zu einem Gebäude passt, das keine Decke zwischen Erd- und Dachgeschoss gehabt haben kann. Das Gebäude muss also älter sein als die ältesten Fotos, auf denen es zu sehen ist. Und es kann ursprünglich kein Wohnhaus gewesen sein. Im Erdreich unter dem Erdgeschoss kam dann noch ein mächtiger Stein mit der Jahreszahl „1861“ ans Licht. Damit beginnt die Spurensuche: Wie alt ist das Gebäude, welchem Zweck kann es ursprünglich gedient haben?

Erster Ansatzpunkt ist der von einem Landmesser 1829 gezeichnete Plan des Eckgrundstücks gegenüber der heutigen kath. Kirche. Darin ist der Platz des späteren Gebäudes noch als unbebauter „Gartengrund“ verzeichnet (Abbildung siehe „Vom ‚Haus am Diek‘ zum ‚Brunnenhaus'“). Das Urkataster von 1830/31 bestätigt, dass zu dieser Zeit an dieser Stelle noch kein Gebäude stand. Aber im fortgeschriebenen Kataster von 1869 ist ein Gebäude eingezeichnet, es sollte demnach zwischen 1831 und 1869 erbaut worden sein. Damit ist nicht mehr ausgeschlossen, dass der ausgegrabene Stein mit der Jahreszahl „1861“ zu dem ursprünglichen Gebäude gehört haben kann, aber wo soll er in dem ansonsten fast ausschließlich aus Ziegeln bestehenden Gebäude verbaut gewesen sein? 

DSC01716+17#1861-SteinAusschnKombi,30%.jpg

Die Katasterzeichnung bestätigt auch, dass das neue Gebäude zu dem schon lange bestehenden „Haus am Diek“ gehörte, in dessen Plan von 1829 der Bauplatz noch unbebauter „Gartengrund“ war und als Eigentümer des gesamten Anwesens die Eheleute Caspar Rübel genannt werden.

Bild a22 (Bd.50,S.6) Hochwasser etwa1896or1912###Ausschn,30%
Dieser Ausschnitt eines Fotos aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts zeigt das Haus mit der heutigen Adresse Pastor-Vömel-Str. 41 (Ziegelbau links). Foto: Archiv Breidbach, Bild a22.
1879min.1894max. Dorfblick v.Osten,600dpi,KratzFoto#Ausschn.PVStr41
Dieser Ausschnitt stammt aus einem Foto, das schon zwischen 1879 und 1894 entstanden ist. Auch darauf ist das Haus links klar als Wohnhaus erkennbar. Foto: Gruitener Archive/Kratz.
1902 ca.,keinSauershs,Schwan m.Anbau,Ausschn.PVStr41#
Auf diesem Ausschnitt eines Fotos, das um 1902 entstanden ist, sind oberhalb der Eingangstür zwei der ursprünglich vielen Lüftungsschlitze zu erkennen. (Der Schornstein im Hintergrund gehört zur Weberei Edelhoff & Schulte.) Foto: Gruitener Archive.
1902 ca.,keinSauershs,Schwan m.Anbau,Ausschn.wg.PVStr41,SchlitzeLängsseite
Dieser Bildausschnitt zeigt die Lüftungsschlitze deutlicher.

Die Angabe der Eigentümer in dem Landmesser-Plan von 1829 führten dann auf die richtige Spur. 1888 erschien nämlich in der Mettmanner Zeitung folgende Anzeige:

1888-02-11 ME-Zeitung,RübelVersteigerung,Montage
Repro aus „zeit.punktNRW“.

Darin ist nicht nur das Wohnhaus mit Stall, Kegelbahn und Hofraum aufgeführt, das wir aus dem Landmesser-Plan von 1829 kennen, sondern auch Ackerland, sodass eine Scheune gut ins Bild passt, die plus Hofraum mit der Größenangabe „1 Ar 84 Quadratmeter“ (= 184 qm) aufgeführt ist. Genau diese Größe hat das heutige Grundstück Pastor-Vömel-Str. 41. 

Damit ist die Antwort wohl gefunden: Das Haus war ursprünglich und bis mindestens 1888 eine Scheune! Deshalb die Lüftungsschlitze und eine Dachkonstruktion für ein bis unter das Dach offenes Gebäude ohne Zwischendecke.

Lothar Weller, 17.7.2019 – Titelbild von mir (2005). 

Werbeanzeigen