Vor 44 Jahren wurde der erste Bauabschnitt des Bürgerhauses eröffnet (Foyer und Schwimmbad), und vor 40 Jahren gab es zur Fertigstellung des kompletten Baus eine große Feier. Vor 18 Jahren schloss das Schwimmbad trotz massiver Proteste, und vor 7 Jahren wurde das Bürgerhaus vollständig aufgegeben. 

Das Bürgerhaus stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Als mit dem Bau begonnen wurde (Grundsteinlegung am 3.8.1973[1]), war bereits klar, dass Gruiten noch vor der Fertigstellung seine Selbständigkeit verlieren würde. Im Raume stand, dass Gruiten und Schöller, das damals zum Amt Gruiten gehörte, Stadtteile von Wuppertal werden sollten. Schöller kam tatsächlich zu Wuppertal, Gruiten aber stritt zusammen mit Haan, das an Solingen fallen sollte, erfolgreich für eine andere Lösung: Ab 1.1.1975 bildeten Haan und Gruiten die neue Stadt Haan. Da war der erste Bauabschnitt des Bürgerhauses gerade fertiggestellt, Schwimmbad und Foyer am 16.11.1974 eröffnet worden.

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Eröffnung des Schwimmbads, 16.11.1974. Foto: Gruitener Archive/privat
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Foto: Sepp Unger, Kreisarchiv ME & Gruitener Archive/Sammlg. Kadatz#422.

Mit Schwung ins Schwimmbad – Bürgerhaus-Eröffnung mit Prominenz und Humor – Gruiten feierte kleines Volksfest, so überschrieb die RP einen Artikel, in dem wir lesen: […] die Gruitener sind mit Recht glücklich, seit dem Wochenende wenigstens Schwimmhalle und Foyer zu besitzen. Vollendet wird das Bürgerhaus durch die neue Heimatgemeinde, die Stadt Haan, so ist es im Gebietsänderungsvertrag vorgesehen. ‚Wenn die – nicht nur von Haan – sehr umworbene Braut Gruiten etwas so Schönes mit in die Ehe bringt, wird der Bräutigam Haan sicher alles daransetzen, dieses Werk bald zu vollenden‘, gab Landrat Willi Müser eigener und Gruitener Hoffnung humorvoll Ausdruck. […] 300 Tauben flatterten auf, bevor sich die Schlüsselübergabe vollzog. […] Architekt Baden überreichte dem Gruitener Bürgermeister August Thewes einen großen Brezelschlüssel. ‚Möge das Haus eine Stätte der Begegnung und Freude sein‘, schloß Thewes seine Rede. Über die Begegnung im sportlichen Sinne hinaus möge diese Stätte der Kommunikation dienen, wünschte Regierungspräsident Hans-Otto Bäumer. Er zeigte den Planungsweg auf und meinte, es sei schon etwas ungewöhnlich, wenn – wie hier in Gruiten – zunächst nur ein Lehrschwimmbecken beabsichtigt gewesen, über die Sportstättenberatung jedoch eine größere Halle geplant worden sei. Während man bei der gebremsten Finanzmasse die Gemeinde doch sonst ebenfalls bremse, sei Gruiten Mut zum größeren Projekt gemacht worden. […] Gruiten habe als kleinste Gemeinde jetzt das zwölfte Hallenbad im Kreis, sagte der Landrat […]. Amtsdirektor Kipp nannte den Betrag, der für den ersten Bauabschnitt aufgewendet wurde: […] bisher wurden 1,4 Millionen Mark investiert […].[2] 

Ein Jahr später war die Euphorie offenbar verflogen, denn am 1.12.1975 schrieb die RP: Zum erstenmal nach der Neuordnung haben Haaner Kommunalpolitiker […] teilweise heftige Kritik am Bürgerhaus geübt. […] Allein der Ausbau des großen Saals kostet etwa 750.000 Mark. Es wurde auf die hohen Folgekosten aufmerksam gemacht, die durch das Bürgerhaus künftig entstehen. […] Noch deutlicher wurde […] dann Stadtdirektor Goldenstedt: Er erinnerte an die Worte des Regierungspräsidenten anläßlich der Eröffnung des Hallenbades […]. Er habe die Gemeinde Gruiten für ihre große Leistung gelobt. Goldenstedt: ‚Es wäre aber auch gut gewesen, wenn man gerechnet hätte!‘ […] Nachdem August Thewes die bange Frage gestellt hatte, ob der Rohbau […] zur Ruine werden solle, faßte SPD-Sprecher Jürgen Guttenberger das Ergebnis der Diskussion zusammen: Da es um ‚enorme politische Fragen‘ gehe, müsse rechtzeitig über alle Parteien hinweg entschieden werden, wie das Problem des Bürgerhaus-Ausbaus zu lösen sei.[3] 

Es wurde schließlich weiter gebaut; 1979 war das Bürgerhaus fertig und wurde im Beisein von vielen illustren Gästen feierlich eröffnet.

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Voller Saal beim Festakt zur Eröffnung des kompletten Bürgerhauses. Foto: Gruitener Archive/Sammlg. Kadatz#277+278-Montage (wahrscheinlich Sepp-Unger-Foto/Kreisarchiv ME).

Die RP berichtete: ‚Was lange währt, wird endlich gut‘ sagte Bürgermeister Rüffer […]. Das neue Bürgerhaus, so meinte der Bürgermeister, sei als Haaner Stadthalle zu verstehen. Einige kritische Stimmen behaupteten zwar, es sei eine Nummer zu groß, Landeszuschüsse würden aber nun einmal an bestimmte Bedingungen geknüpft. Obendrein gelte es, nicht Fehler zu beklagen, sondern aus der Situation das beste zu machen. […] ‚Dies ist ein großer Tag für die Stadt Haan, vor allem aber für den Ortsteil Gruiten‘, rief Landrat Willi Müser aus […]. In diesem Artikel werden die Kosten für das Bürgerhaus mit 3,5 Millionen Mark angegeben.[4] Der Haaner Treff nannte andere Zahlen: Bis zur Einweihung sind Kosten in einer Gesamthöhe von 4,75 Millionen DM entstanden; davon trug Gruiten den Löwenanteil von 3,83 Millionen DM, der Rest wurde von Haan aufgebracht.[5] 

Am Tag der Eröffnungsfeier fand im Bürgerhaus auch die Feier zum 50-jährigen Bestehen des Bürger- und Verkehrsvereins statt. 

Nur vier Jahre später stand das Hallenbad schon so sehr unter Kostendruck, dass dessen Privatisierung diskutiert wurde.[6] Im Jahr danach bezog sich der Gedanke bereits auf das gesamte Bürgerhaus.[7] 1988 war davon die Rede, daß die wenigen öffentlichen Badezeiten nicht weiter zusammengestrichen werden dürfen[8]. 1993 wurde es dann richtig eng für das Bad: Alle Diskussionen in den letzten Wochen und Monaten haben gezeigt, daß es am Geld liegt, wenn bisher noch keine annehmbare Lösung für den Erhalt des Gruitener Schwimmbades gefunden wurde, schrieb der Haaner Treff und fuhr fort: Deshalb unterstützte der Bürger- und Verkehrs-Verein Gruiten (BVV) mit einer großzügigen Spende die Bemühungen, das beliebte Hallenbad vor der Schließung zu retten. Gesammelt wurde […] auf dem vergangenen Gruitener Dorffest […]. 7.500 DM waren zusammengekommen. Über diesen Betrag wurde dem Stadtdirektor ein Scheck überreicht. ‚Bei einem derartig starken Engagement von privater Seite‘ ist in einer Pressemitteilung des Bürger- und Verkehrs-Vereins Gruiten zu lesen, ‚muß nun auch die Stadt ihre Position erneut überdenken, um für Gruiten einen weiteren Abbau sozialer Einrichtungen […] zu verhindern.'[9] Auch der TSV Gruiten legte sich mächtig ins Zeug. Die Schwimmabteilung des TSV Gruiten bietet ab Januar 1994 allen Bürgern die Nutzung des Hallenbades an, hieß es in einer Information des Vereins. Die Nutzung ist für jeden möglich, der Mitglied der TSV-Schwimmabteilung wird. […] Somit wird das Schwimmen in Gruiten wieder attraktiv, auch wegen des günstigen Jahresbeitrags, der deutlich unter dem einer Jahreskarte des Schwimmbads Haan liegen wird. […] Geben Sie der Schwimm-Abteilung des TSV und dem Hallenbad Gruiten eine Chance.[10] Aber schon im Folgejahr war zu lesen, dass der Verein plötzlich Kosten von ca. 20.000 DM für Schwimmbadaufsicht und Übungsleiter zu tragen hatte, die zwar dank einer großzügigen Spende des Bürger- und Verkehrsvereins Gruitens, dank eines städtischen Zuschusses und dank einer von den Mitgliedern des Vereins getragenen Umlage ausgeglichen werden konnten, doch läßt die Stadt Haan bei angekündigter Kürzung der Zuschüsse für das Jahr 1995 bereits dunkle Wolken am Vereinshorizont aufziehen.[11] Aber der Optimismus blieb: Gegen viele kritische Stimmen übernahm die Schwimmabteilung des TSV Gruiten vor zwei Jahren die Aufrechterhaltung des Schwimmbetriebes in unserem Hallenbad, hieß es Ende 1995. Seit der Übernahme stieg die Mitgliederzahl der TSV-Schwimmabteilung von 120 auf 232! […] Diese Entwicklung zeigt, wie mit Vereinsengagement Interessen der Gruitener Bürger gewahrt werden können.[12] Doch schon zwei Jahre später stand die Frage Was geschieht mit dem Bürgerhaus? wieder im Raum.[13] Und ein Jahr danach war zu lesen: Die Wellen schlugen hoch, als die Verwaltung eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Kosteneinsparung vorlegte, um den städtischen Haushalt auszugleichen. Den wohl für die meisten Gruitener schmerzlichsten Punkt stellte sicherlich die Absicht dar, das Bürgerhaus zu schließen.[14] Auch die DLRG Gruiten, die seit 1974 im Gruitener Bad Schwimm- und Rettungsunterricht gab, meldete sich zu Wort und fordert die Verantwortlichen auf, nach Wegen zur Aufrechterhaltung des Schwimmbetriebes in Gruiten für Vereine und Schulen zu suchen.[15] Erneut keimte Hoffnung auf, denn knapp 2 Monate später titelte die WZ: Bürgerhaus und Bad haben allerbeste Karten und berichtete: Die Schließung des Bürgerhauses und des Schwimmbades Gruiten scheint vom Tisch zu sein. […] Keine Fraktion im Rat will die Schließung mittragen.[16] Aber schon im Oktober 2000 wurde das Bad wegen akuter Einsturzgefahr des Daches geschlossen und 2001 beschließt der Stadtrat die endgültige Aufgabe des Gruitener Bades.[17] Nun startete der BVV ein Bürgerbegehren und sammelt mit Unterstützung des TSV und der DLRG 3.560 Unterschriften von Gruitenern, die die Frage Soll der Betrieb des Gruitener Hallenbades aufrecht erhalten werden? mit Ja beantworteten.[18] Aber auch dieser Kraftakt hatte keinen Erfolg. Das Bürgerbegehren wurde als nicht zulässig zurückgewiesen.[17] 2009 forderte eine Initiative aller namhaften Gruitener Vereine eine klare Antwort auf die Frage Was wird aus dem Bürgerhaus? 

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Wie die RP am 4.7.2009 darüber berichtete, kann man im Internet lesen. Hier der Link: https://rp-online.de/nrw/staedte/hilden/politischer-wille-fehlt_aid-12219241 

Anfang Februar 2012 kam das endgültige Aus. Die Arbeiterwohlfahrt, aber auch der Bürger- und Verkehrsverein erhielten schon Dienstagnachmittag eine Information aus dem Rathaus. Gestern Morgen dann gab Bürgermeister Knut vom Bovert eine Mitteilung über die „Schließung des Bürgerhauses Gruiten“ heraus. Weil die Betriebssicherheit „nicht uneingeschränkt gewährleistet ist“, habe er „mit sofortiger Wirkung die weitere Nutzung untersagt“, schrieb die RP[19]. Dabei ist es geblieben. 

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Lothar Weller, 12. Januar 2019, geändert 6.4.2019 – Titelfoto (Juli 1978) : Gruitener Archive/privat, Schlussfoto von mir.

Links: Haaner Treff, 16.1.2019, S. 12 *** Abrissvorbereitung beginnt: Haaner Treff, 16.1.2019, S. 1, und RP-online, 15.1.2019.


[1] Siehe dazu den Beitrag Bürgerhaus: Grundsteinlegung und Richtfest.

[2] Rheinische Post, wahrscheinlich vom 18.11.1,974, Archiv Breidbach Bd. 52, S. 37.

[3] Rheinische Post, wahrscheinlich kurz vor dem 16.11.1974, Archiv Breidbach Bd. 52, S. 37.

[4] Rheinische Post, 26.2.1979 (Artikel „Schlüssel aus Marzipan“).

[5] Haaner Treff, 28.2.1979 (Artikel „Ein Raum für die Bürger“).

[6] „Information ’84 des SPD-Ortsvereins Gruiten“: Der SPD-Ortsverein Gruiten wird auch zukünftig die in letzter Zeit diskutierte Möglichkeit einer Privatisierung des Gruitener Hallenbades ablehnen, […].

[7] „Information ’85 des SPD-Ortsvereins Gruiten“: Dem Wunschgedanken einiger Kommunalpolitiker, die das gesamte Bürgerhaus am liebsten privatisieren würden, muß energisch entgegengetreten werden. 

[8] „Gruiten 1989 – Information des SPD-Ortsvereins zum Jahreswechsel“. In „Gruiten 1991 – Information des SPD-Ortsvereins zum Jahreswechsel“ wurden folgende Öffnungszeiten des Bads veröffentlicht: 

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[9] Haaner Treff, 16.11.1993.

[10] TSV Gruiten 1884, Information zum Hallenbad Gruiten, abgedruckt in: CDU Ortsverband Gruiten, Informationen zum Jahreswechsel 1993/94, S. 15.

[11] CDU Ortsverband Gruiten, Informationen zum Jahreswechsel 1994/95, S. 12.

[12] CDU Ortsverband Gruiten, Informationen zum Jahreswechsel 1995/96, S. 7.

[13] CDU Ortsverband Gruiten, Informationen zum Jahreswechsel 1997/98, S. 11.

[14] CDU Ortsverband Gruiten, Informationen zum Jahreswechsel 1997/98, S. 15.

[15] Leserbrief von Rainer Eisert, dem Vorsitzenden der DLRG Gruiten, veröffentlicht in der Westdeutschen Zeitung vom 4.4.1998 unter der Überschrift: An die Zukunft unserer jungen Generation denken.

[16] Westdeutsche Zeitung, 21.5.1998. 

[17] Westdeutsche Zeitung, 2.6.2005, „Chronik…“.

[18] Rheinische Post, 21.9.2001.

[19] https://rp-online.de/nrw/staedte/hilden/buergerhaus-bleibt-geschlossen_aid-13684943

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