Vor hundert Jahren ist er zu Ende gegangen, der Erste Weltkrieg. Von 1914 bis 1918 dauerte er, aber am Mahnmal im Thunbusch befindet sich eine Gedenktafel, auf der von den Gefallenen (in der Sprache der damaligen Zeit: von den gefallenen Helden) des Weltkriegs 1914-1920 die Rede ist (Abb. oben und unten). Auf die Frage, warum dort nicht 1914-1918 steht, gibt es noch keine abschließende Antwort. Deshalb hier der Versuch, wenigstens eine denkbare Erklärung für diese ungewöhnliche Kriegsdauerangabe zu finden.

2015-08-13 Mahnmaltafel oben,40%

Errichtet wurde das „Kriegerdenkmal“, wie es in Gruiten genannt wurde, zum 50-jährigen Bestehen des Gruitener Krieger- und Landwehrvereins. Das war 1922, knapp vier Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkriegs. Der Verein hat aber auch eine Gedenktafel für seine im Krieg gefallenen Mitglieder anfertigen lassen (Abb. unten). Auf ihr ist die Dauer des Ersten Weltkriegs „korrekt“ angegeben. 

1914-18 Krieger-Landwehrverein Tafel 1.WK (1#) 

Wahrscheinlich ist diese Tafel bereits kurz nach dem Ende des Krieges angefertigt worden und nennt deshalb nur die Vereinsmitglieder, die bis zum Kriegsende als Soldaten ihr Leben verloren hatten. Als 1922 das „Kriegerdenkmal“ errichtet wurde, wusste man aber, dass nicht für alle Soldaten der Krieg schon 1918 wirklich beendet war und etliche noch auf dem Rückweg in die Heimat, in Lazaretten oder in Kriegsgefangenschaft gestorben sind. Vermutlich ist mindestens ein Gruitener Soldat – vielleicht ein Vereinsmitglied – im Jahre 1920 an den „Spätfolgen“ einer schweren Kriegsverletzung oder in Gefangenschaft gestorben. Das könnte der Grund dafür sein, dass auf der Gedenktafel der erweiterte Zeitraum 1914-1920 verwendet wurde. Die Suche nach einem solchen Fall ist bisher aber erfolglos geblieben. Die ebenfalls erhaltene Gedenktafel der reformierten Gemeinde (Abb. unten) enthält z.B. auch nur die Namen von Soldaten, die bis 1918 ums Leben gekommen sind; das geht aus den hinzugefügten Todesdaten klar hervor.[*] 

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Über die Gefallenen der katholischen Gemeinde ist derzeit nur eine Liste bekannt, die die Namen, nicht jedoch die Sterbedaten enthält, sodass nicht erkennbar ist, ob sich unter den Aufgeführten ein Soldat befindet, der erst nach 1918 sein Leben verlor. 

Aufschluss darüber, warum auf der Gedenktafel im Thunbusch der Erste Weltkrieg erst 1920 endet, könnte ein Protokollbuch des Krieger- und Landwehrvereins Gruitens geben. Aber die Hoffnung, eines zu finden, ist gering. Wahrscheinlich bedarf es einmal mehr eines glücklichen Zufallsfundes, um das Rätsel am Mahnmal im Thunbusch wirklich zu lösen.

Lothar Weller, Dezember 2018 – Fotos: alle von mir.

Link zur Geschichte des Mahnmals. Link zu der darin erwähnten Schlacht bei Gruiten (auf der Seite oben links „Schlacht bei Gr.“ anklicken). Link Haaner Treff, 27.12.2018, S.10.


[*] Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass es danach bis 1920 noch einen Todesfall eines Soldaten aus dem Kreis der Gruitener Reformierten gegeben hat, denn die Tafel ist erst 1921 entstanden. Das geht aus der „Festordnung zum 200jährigen Gedenktag der Erbauung der Kirche der reformierten Gemeinde zu Gruiten, Sonntag, den 29. Mai 1921“ hervor, in der es heißt: „Sammlung für Errichtung einer Gedenktafel der im Weltkrieg gefallenen Glieder der reformierten Gemeinde Gruiten.“

 

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