Eigentlich ist „Urgroßvater“ noch untertrieben, denn der Urenkel, um dessen Urgroßvater es hier geht, hat selbst schon wieder Enkelkinder, und für die reicht diese Geschichte schon fünf Generationen zurück. Was war geschehen?

Julie und Peter hatten 1883 geheiratet und – wie auch damals schon üblich – bei der Hochzeit Trauringe angesteckt. Peter war Bauer auf einem großen Gruitener Hof, und seinen Ring trug er selbst bei der Feldarbeit. Aber schon im Jahr nach der Hochzeit war der Ring plötzlich verschwunden und wurde auch nicht wieder gefunden. Er musste ihn verloren haben. Jahre und Jahrzehnte vergingen, ein halbes Jahrhundert verstrich. Peter war inzwischen gestorben, längst hatte sein Sohn den Hof übernommen. Und der beackerte dieselben Felder wie sein Vater. Dann das Unglaubliche: 1937 war der Ring wieder da. Das war eine Zeitungsmeldung wert: Einen Fund, an den wohl keiner mehr gedacht hatte, machte der Bauer Karl Niepenberg auf Gut Scheifenhaus in Gruiten. Bei den Eggearbeiten auf dem Felde entdeckte er am vergangenen Samstag etwas Glänzendes. Er hebt es auf, löst die Erde von dem Gegenstand. Und dieser entpuppt sich als der Trauring seines Vaters, der diesem vor 53 Jahren verloren gegangen war. 52 Mal ist inzwischen das Feld umgegraben worden, 53 Jahre hielt ihn der Boden fest und gab ihn jetzt dem Sohne des mittlerweile Verstorbenen wieder.[*] Die Zeitungsmeldung mag etwas ausgeschmückt sein, aber nach der von den Kindern des Finders in der Familie überlieferten Fassung war sie sogar noch ungewöhnlicher: Der Ring war nicht einfach gefunden, sondern von einem Zinken der Egge erfasst und festgehalten worden. Diese Version scheint der Ring, der sich im Besitz des Urenkels befindet, eindrücklich zu bestätigen: Er ist nämlich aufgerissen. Aber die Gravur ist gut lesbar. Es gibt keinen Zweifel, es ist der Ring, den Julie ihrem Peter am Hochzeitstage vor 135 Jahren an den Finger gesteckt hat.

Lothar Weller, November 2018  – Foto: von mir (2004)


[*] Mettmanner Zeitung/Gruitener Anzeiger, 12.4.1937 (Zeitungsportal NRW).

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