Alte Gruitener können sich noch an die Gebäude des Hofes Quallerheide erinnern, denn noch bis Mitte der 1950er Jahre standen sie an der Ecke Bergstraße/Kastanienweg[1]. Die Abbildung oben zeigt den Hof um 1930. Da gab es den Bahnhof vor seiner Haustür, der auf seinem ehemaligen Grund und Boden entstanden war, schon rund 90 Jahre. Das Bahngelände ging quer durch sein früheres Land. Und rundum war – großteils auf Äckern die zum Hof gehört hatten – ein neuer Gruitener Ortsteil entstanden. Als die Hofgebäude aufgegeben wurden, schrieb eine Zeitung: „Spitzhacken auf ‚Quallerheide‘. Ein Stück Gruitener Geschichte versinkt – Bahnhof fraß das Land“[2]

Ursprünglich gehörte das Land der Quallerheide zum Hof Quall, daher der Name. Der Grundbesitz des Qualler Hofes erstreckte sich noch Ende des 17. Jahrhunderts über die ganze Mitte der Honschaft Gruiten vom Qualler Kamp an der Grenze von Mettmann im Norden bis zur Quallerheide an der Grenze von Haan im Süden, schrieb Fritz Breidbach.[3] Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurde der Hof Quall nach mehreren Besitzwechseln von den Erben des letzten Eigentümers aufgelöst.[4] Spätestens um diese Zeit ist der Hof Quallerheide selbständig geworden. Aber schon wenige Jahrzehnte später, um 1837, erwarb die Gesellschaft, die die Eisenbahnlinie von Düsseldorf nach Elberfeld baute, einen großen Teil des zum Hof gehörenden Landes, auch ein Baron aus Düsseldorf und andere Geschäftsleute sicherten sich Grundstücke südlich und nördlich des Gruitener Bahnhofs (damals noch „Station Haan“). Auf dem verbliebenen Land des Hofes Quallerheide wurde zwar noch Landwirtschaft betrieben, aber spätestens um 1900 war ein Fuhrgeschäft hinzu gekommen[5], das sich ja wegen der unmittelbaren Nähe zum Bahnhof als weiterer Erwerbszweig geradezu anbot. Die folgende Abbildung einer Ansichtskarte aus dieser Zeit zeigt, dass der Hof Quallerheide, dessen Fachwerk durch die Bäume links im Vordergrund noch ein wenig zu erkennen ist, bereits an zwei Seiten „umbaut“ war. 

1905max.Station, Bl.v.d.Bergstr,PostkarteHotelZurPost

In den 1930er Jahren kam die dritte Seite hinzu: die Häuser entlang des heutigen Kastanienwegs wurden gebaut (Abb. unten). 

1950er ca.,Quallerheide,Kastanienweg (1a)#30%

Als dann 1953 der Grundstein für die Wohnbebauung zwischen Kastanienweg und Millrather Straße gelegt wurde, war das Ende des uralten Hofes Quallerheide endgültig besiegelt.

1953-10-08_Bergstrasse_Grundsteinlegung#50%

Lothar Weller, Oktober 2018 – Abbildungen: Gruitener Archive


[1] Im Adressbuch 1953/54 ist das Haus Bergstraße 4 noch enthalten, im Adressbuch 1958 nicht mehr. 

[2] Der Zeitungsartikel in den Gruitener Archiven ist leider nicht datiert, sodass daraus der Zeitpunkt des Abrisses nicht abgeleitet werden kann. 

[3] Fritz Breidbach, Gruiten – Die Geschichte eines Dorfes an der Düssel, Gruiten 1970, S. 9.

[4] Wie Anm. 3, S. 10.

[5] Von 1900 ist eine Rechnung über Fuhrleistungen vorhanden (Sammlung Kratz), und im Adressbuch von 1909/10 befindet sich der dazu passende Eintrag: „Stachelhaus, Karl, Ackerer u. Fuhrunternehmer, Bergstr. 4“. 

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