Obwohl sie „nicht mehr in den Grenzen unserer Heimatgemeinde liegt“, ist die Winkelsmühle „für Gruiten immer ein Stück Heimat gewesen“, schrieb Fritz Breidbach und widmete ihr deshalb ein eigenes Kapitel in seinem Gruiten-Buch.[1] Darin behandelt er aber nicht nur die historische Mühle, die „Forellenzucht“ in „rund 60 kleineren und größeren Teichen“ und das spätere „Strandbad“, sondern ganz selbstverständlich auch das große Ausflugslokal mit seinem „Gondelteich“. 

Anfangs sollen Wanderer durchs Düsseltal in einer kleinen Gaststube im Mühlengebäude bewirtet worden sein[2], aber irgendwann reichte die nicht mehr aus. Ein Restaurant mit großem Saal wurde nebenan gebaut. Der Mühlenteich, dessen Wasser das Mühlrad antrieb, wurde nun mit Ruderbooten befahren. Und zwischen Restaurant und Teich entstand eine ausgedehnte Terrasse für die Außengastronomie im Sommer. Alte Ansichtskarten belegen, dass die Anlage bereits Ende des 19. Jahrhunderts komplett war. Die Abbildung oben zeigt z.B. eine, die bereits 1897 verschickt wurde. Die große Terrasse ist auf den folgenden Karten gut zu erkennen.

Winkelsmühle, gr.Album Fam.Gerhards#16b#50%

Winkelsmühle, gr.Album Fam.Gerhards#19a3#50%

Und hier ein Blick in den großen Saal mit dem Orchestrion an der Kopfseite:

WinkelsmühleSaal, gr.Album Fam.Gerhards,30%

Im Laufe der vielen Jahrzehnte hatte das Ausflugslokal und Restaurant mehrere Betreiber. Es hatte auch öfter Krisenzeiten zu überstehen, wie Fritz Breidbach berichtet. Das werden wohl vor allem die Zeiten der Weltkriege und Wirtschaftskrisen gewesen sein. Aber als er das Buch „Gruiten“ schrieb, war offenbar wieder eine solche angebrochen: „Man weiß nicht, was aus ihr [gemeint ist das Lokal, nicht die historische Mühle] werden wird und viele bangen um ihr Schicksal“.[3] Er sollte recht behalten. Der Anziehungspunkt für Wanderer, Sonntagsausflügler, fröhliche Gesellschaften, Schulklassen usw. ist seit Jahrzehnten nicht mehr vorhanden. Nur der Teich und die Mühle sind geblieben: 

2004 Winkelsmühle (10)Ausschn

Zum Schluss noch einmal Fritz Breidbach: „Aber die Erinnerung bleibt, und es sind wohl nur wenige aus unserem Heimatdorf gewesen, die nicht ihre beglückende Stunde hier im Tal erlebten […]. Was ist da nur schöner gewesen, der fröhliche Tanz nach den Melodien der großen Spielorgel in den Räumen der Winkelsmühle oder nachher der […] Heimweg […] in der Abenddämmerung durch den schon dunklen Wald. […] Der erste Spaziergang im Frühling hat immer ihr gegolten.“[4]

Lothar Weller / Oktober 2018

Abbildungen: Gruitener Archive (4), „aktuelles“ Foto von mir (2004).


[1] Fritz Breidbach, Gruiten – Die Geschichte eines Dorfes an der Düssel, Gruiten 1970, S. 110-113.

[2]+[3] Wie Anm. 1, S. 110. 

[4] Wie Anm. 1, S. 110 f. – Komplett ist der Text noch romantischer!

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