Das Foto oben ist 1939 entstanden und zeigt ein zu dieser Zeit schon mehrere Jahrzehnte altes Bauwerk, mit dem die Gruitener „Neuzeit“ begann. Wenige Jahre nach der Entstehung der Bürgermeisterei Gruiten (1894), einige Jahre bevor die Elektrizität in Gruiten einzog (1905), wurde es auf der hochgelegenen Millrather Straße Ecke Hochstraße errichtet, um von dort den rund um den Bahnhof wachsenden Ortsteil „Station“ mit Trinkwasser zu versorgen. Dieser Wasserspeicher war keine Einrichtung der Kommune, sondern eine private.

Ludwig Forsthoff, der Besitzer des Guts Zur Mühlen hatte die Zeichen der Zeit erkannt: Wenn um den Bahnhof herum ein neuer Ortsteil entstehen sollte, dann konnte die Wasserversorgung nicht über Brunnen erfolgen, es musste Leitungswasser her. Er plante deshalb, Wasser von seinem Gelände an der Kleinen Düssel zum höchsten Punkt über dem Bahnhofsgelände in einen Vorratsbehälter zu pumpen, um es von dort mit dem nötigen Druck durch die Hochlage über Wasserleitungen an angeschlossene Häuser zu liefern. Aber Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch nicht so viele Häuser „auf Station“, um die erforderlichen Investitionen rentabel werden zu lassen. Er brauchte einen sicheren Abnehmer für große Mengen. Dieser Abnehmer sollte die Station der Königlichen Eisenbahn in Gruiten sein. Er und auch der Gruitener Bürgermeister rechneten fest mit einer Zusage der Bahn, denn die Versorgung des Bahnhofs Gruiten und der Wohnungen der Bahnbeamten war bekanntermaßen desolat. Dort wurde Regenwasser aufgefangen, aber das Wasserbehältnis war zu klein und außerdem defekt. Es gab zwar einen Brunnen, aber der war selten ausreichend gefüllt, sodass die Beamten oft gezwungen waren, bei den Nachbarn um Wasser zu bitten. Bei einem Brand hätte der Wasservorrat nicht einmal für eine Brandspritze ausgereicht. Trotzdem zögerte die Bahn, riet stattdessen ihren Beamten am Bahnhof, erst einmal Regenfässer aufzustellen, um den Wasservorrat zu vergrößern.

Fast zwei Jahre gingen ins Land, ohne dass die Bahn sich entschließen konnte, eine Zusage für die Abnahme von Leitungswasser für den Gruitener Bahnhof und die Wohnungen der Bahnbeamten zu geben. Ende 1897 startete der Bürgermeister einen letzten Versuch, die Bahn-Direktion zum Mitmachen zu veranlassen, um das Projekt zu retten. Er teilte ihr mit, dass Ludwig Forsthoff sich verpflichtet habe, mit dem Bau der Wasserleitung im nächsten Frühjahr zu beginnen und deshalb voraussichtlich schon ab Juni 1898 den Bahnhof und alle Häuser auf „Station“ mit Trinkwasser versorgen könne. Und er erinnerte die Bahn-Direktion noch einmal eindringlich daran, dass man mit dem Anschluss des Bahnhofs und der Bahn-Wohnungen an die Wasserleitung rechne, weil das Projekt sonst zum Scheitern verurteilt sei. Die Antwort der Bahn-Direktion ist nicht bekannt, aber sie scheint endlich positiv ausgefallen zu sein, denn die Anlage wurde gebaut. 1898 wurde die erste Konzession für die private Wassergewinnung in Gruiten erteilt. Bis 1981 stand der von Ludwig Fosthoff errichtete Wasserspeicher an der Millrather Straße Ecke Hochstraße, dann wurde an dieser Stelle von den Stadtwerken Haan ein neues Gebäude für einen neuen Wasserbehälter gebaut (Abb. unten).

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Über 100 Jahre wurde Gruiten von hier aus mit Trinkwasser aus dem „Watersiepen“ bei Zur Mühlen versorgt. Erst seit 2006 Jahren fließt auch in Gruiten – wie vorher schon in Haan – Wasser aus einer Solinger Talsperre durch die Leitungen.

Lothar Weller / Oktober 2018

Titelfoto: Archiv Ahrweiler#AA18, Farbfoto: von mir (2015).

Link: RP-online, 18.10.2018

Anmerkung: Dies ist nur eine Kurzfassung. Die Langfassung des Beitrags gibt es als PDF-Datei; wer sie lesen möchte, kann sie bei mir anfordern.