Das Foto oben zeigt das Ehepaar Birschel, mit dem 1899 eine 110-jährige Geschichte der Dorfgaststätte Zum Schwan begann, vor ihrem Haus. Das Haus selbst ist aber älter. Der steinerne Teil links gibt sein Alter durch Maueranker mit der Jahreszahl 1823 preis. Auf dem Fachwerkteil rechts befindet sich eine schmiedeeiserne Wetterfahne mit einem Schwan, dessen Schwanzfeder die Jahreszahl 1737 enthält:

2008-06-07 Schwan aufm Schwan

Ob diese Zahl das Baujahr des Fachwerkhauses wiedergibt, ist nicht sicher.[1] Sicher ist aber, dass das Haus oder ein Vorgängerbau um diese Zeit schon bestand, denn aus dem Jahr 1737 ist folgende  Protokollnotiz bekannt: Joh. wilh. schmald […] im qualler schwanen [hat] d[en] 10. Aug[ust] spielleute und täntzer in seinem hauße biß in die nacht aufgehalten.[2] 

Der alte Hausname Qualler Schwan geht auf die Zugehörigkeit des Hauses zum uralten Hof Quall zurück. Als 1899 die Gaststätte eröffnet wurde, lag es nahe, diese in Anlehnung an den alten Hausnamen Zum Schwan zu nennen. Das folgende Foto des Ehepaars Birschel vor dem Eingang ihrer Wirtschaft zeigt, dass dieser Name von Anfang an verwendet wurde:

1899 max., Schwan-Birschel (1)

Von 1903 bis 1918 hatte der Schwan einen Saal, der sich auf dem Gelände der späteren Terrasse befand. Auf dem folgenden Foto ist er rechts im Bild zu sehen: 

1899or1912 Gesellschaft vor demSchwan_Hugenbruch_1912##20%

Von 1930 bis 1952 fuhr der Trolleybus zwischen Mettmann und dem Gruitener Bahnhof. Am Schwaner Platz war eine Haltestelle (Foto unten).

1940-50er(vermutl.) AB Bd.35,S93##

Überliefert hat sich, dass der Schwan eine spezielle Leuchte über dem Eingang  hatte, die der Wirt einschaltete, wenn Gäste im Lokal waren, die den letzten Bus Richtung Mettmann nicht verpassen wollten. Die Trolleybusfahrer kannten dieses Signal, warteten, bis die Gäste ausgetrunken und bezahlt hatten, und fuhren dann mit ihnen weiter.  

Der Fachwerkbau Schwan mit seinem auf das Haus am Quall zulaufenden Winkelanbau gehört heute zu den Glanzlichtern des Dorfes.

2010-08-03 SchwanNordseite,30%

Mit dieser Intention ist das Haus vor über 250 Jahren natürlich nicht gebaut worden. Fachwerk war damals das Normale, Verschieferung statt Bretterverkleidung (meist nur an der Wetterseite) zeugte dagegen von besonderem Wohlstand des Besitzers. Viele sehen das heute anders, weil sie (nacktes) Fachwerk als besondere Augenweide empfinden. So gesehen war der Schwan nie ein hässliches Entlein

Lothar Weller, Juli 2018 – Fotos: Gruitener Archive (vier) und zwei von mir.

Link: „Der Schwan schließt 2009″: RP, 22.4.2008 

Nachtrag: Die Ära des Schwans als Gaststätte endete am 30.11.2008. Von diesem Tag sind die folgenden Fotos von Gerlinde Schulz. (LW, 5.2.2020)

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Dieses Schild hing am Eingang (im Foto oben neben „geöffnet“).

 

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[1] Fritz Breidbach schreibt in seinem Buch Gruiten… von 1970 (S. 9)In der Mitte des 18. Jahrhunderts werden […] der Schwanen und […] erstmalig erwähnt.  Die Ortsbau- und siedlungsgeschichtliche Untersuchung Gruiten-Dorf von 1978 (S. 57) enthält die Angabe um 1700. 

[2] Archiv der Ev.-Ref. Kirchengemeinde Gruiten, Protokollbuch des Consistoriums [=Presbyteriums] 1709-63. Der 10.8.1737 war ein Samstag, aber biß in die nacht bedeutet wohl, dass die Spielleute bis in den Sonntag hinein zum Tanz aufgespielt haben. Das könnte der „Stein des Anstoßes“ gewesen sein, für den der Johann Wilhelm Schmald zur Rechenschaft gezogen wurde, denn am Tag des Herrn waren Tanzvergnügen damals nach den Kirchenregeln der Reformierten nicht erlaubt.