Dass die Düssel ihren tausend Jahre alten Namen – Tussale = die Tosende – nicht ohne Grund trägt, hat sie immer wieder bewiesen. Besonders die Gruitener bekamen das wegen des Zusammenflusses von kleiner und großer Düssel mitten im Dorf häufig zu spüren. Auf alten Fotos gleicht die Pastor-Vömel-Straße einer Wasserstraße. Gut, wenn man – wie in den 1950er bis 1970er Jahren häufig – einen „Käfer“ fuhr. Dank seiner großen Räder konnte er eine ganze Portion Wasser unter dem Bodenblech vertragen, sodass man wenigstens noch aus dem Dorf hinaus kam, wenn die Flut anrollte.

Für die Gebäude sah es dagegen meist nicht gut aus. Das besonders tief liegende Ensemble um die reformierte Kirche kam z.B. immer schlecht davon. Selbst Sandsäcke konnten hier nur das Gröbste verhindern. Manchmal kam das Hochwasser aber so plötzlich, dass die Sandsackbarriere nicht schnell genug errichtet werden konnte. Ernst Breidbach hat dazu folgende Anekdote überliefert: Die Küsterin kommt während des Gottesdienstes in die Kirche gelaufen und ruft in die Predigt: „Pastor, Pastor, Ihr müsst sofort aufhören. Das Wasser kommt.“ Der Pastor hört auf sie und beendet den Gottesdienst. Die Gottesdienstbesucher kommen noch so gut wie trockenen Fußes hinaus. Aber an die katholische Kirche hatte niemand gedacht. Wegen ihrer höheren Lage war sie ja auch nicht hochwassergefährdet. Aber als dort die Messe regulär beendet war, kam man zwar noch aus der Kirche, jedoch nicht mehr über die Kleine Düssel. Die Brücke vor der Kirche war bereits überflutet. Es bedurfte einiger mutiger Männer, die sich im Sonntagsstaat in die Fluten wagten, um Frauen und Kinder trocken ans andere Ufer zu bringen.

Inzwischen hat sich die Hochwassergefahr allerdings deutlich verringert. 1993 wurde die Kleine Düssel über den Anger umgeleitet und fließt erst hinter dem Dorf in die Düssel. Seither ist das Dorf nicht mehr überflutet gewesen.

Lothar Weller / 2017 (Foto: Archiv Breidbach / Hochwasser vor über 100 Jahren)

Link: Haaner Treff, 10.8.2016 (S. 12 unten rechts)

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